So kannst du ehrlich sein, ohne andere zu verletzen

Das Thema “Ehrlichkeit” macht vielen Menschen Angst.

Das ist auch völlig nachvollziehbar, denn so, wie wir Ehrlichkeit aus unserer Kultur kennen, ist sie oft verletzend.
So ein typisches Beispiel wäre: “Also ich bin jetzt mal ganz ehrlich: Du bist ein rücksichtsloser Idiot!”
So etwas will natürlich niemand hören, und dass wir vor solcher Art von “Ehrlichkeit” Angst haben und nichts Konstruktives darin sehen können, ist ganz normal.

Die herkömmliche Art, ehrlich zu sein, besteht darin, anderen Menschen unsere Urteile über sie an den Kopf zu werfen.
Doch wahre Ehrlichkeit ist noch etwas anderes.
Sie geht viel tiefer und berührt die Ebene, auf der wir uns jenseits von Urteilen übereinander begegnen können.

Es gibt einen Weg, wie du ganz ehrlich und ganz bei dir sein kannst, ohne zu verletzen. Einen Weg, wie du durch deine Ehrlichkeit Brücken bauen, Menschen wirklich erreichen und Konflikte lösen kannst.

In diesem Video zeigen wir dir, wie.

Schau doch gleich mal rein, ob da nicht der ein oder andere Impuls für dich enthalten ist, der dir bei einer aktuellen Herausforderung dieser Tage helfen kann. 🙂

Viele Grüsse,

Armin & Kendra

Diese 3 Aussagen verraten, dass jemand sauer auf dich ist

Diese 3 Aussagen verraten, dass jemand sauer auf dich ist

Ärger und Wut sind in unserer Kultur ja ein ziemliches Tabu. Und so kommt es, dass wir diese Gefühle nicht gerne direkt ausdrücken, sondern sie leugnen oder darum herumeiern.

Daraus ergeben sich oft Missverständnisse, Frust und Streit!

In diesem Artikel beschreiben wir 3 typische Dinge, die Menschen sagen, wenn sie sauer sind – aber dies nicht zugeben können oder möchten. Außerdem erfährst du, wie du auf Nerven schonende Weise darauf eingehen kannst.

1. “Warum hast du das gemacht?”

Du hast es bestimmt auch schon erlebt, dass du etwas getan hast und dann jemand dich nach dem Warum fragt.
Du erklärst es ihm, aber anstatt dass er sich bedankt und wieder seinen Angelegenheiten zuwendet, endet ihr in einer Auseinandersetzung.

Der Grund ist:
Der Fragesteller wollte in Wahrheit gar nicht wissen, warum du dies oder jenes getan hast, sondern er war darüber verärgert!
Die Beantwortung seiner Frage mit einer Begründung führt deshalb nirgendwohin, weil sie gar nicht die Antwort auf sein eigentliches Anliegen ist. Dieses Anliegen ist, in seinem Ärger gehört zu werden!

Wir können “Warum hast du … gemacht?” also übersetzen mit: “Ich bin sauer, weil du …. gemacht hast, und möchte gerne in meinem Ärger darüber von dir gehört werden!”

Wenn dir dieser Zusammenhang bewusst ist, kannst du endlose frustrierende Gesprächsverläufe und Auseinandersetzungen vermeiden, indem du auf den zugrunde liegenden Ärger eingehst.
Du kannst dich entspannen.
Halte dir eine wichtige Sache vor Augen: Du hast nichts falsch gemacht, nur weil du gemacht hast, was dir in dem Moment richtig erschien. Und deshalb musst du dich jetzt auch nicht verteidigen! 
Du brauchst nur eines tun: Dem anderen versichern, dass du seinen Ärger hörst und ihn ernst nimmst.
Ein Mittel dazu sind folgende Fragen: “Bist du sauer/ärgerst du dich, weil ich …. gemacht habe?” und “Hättest du es lieber gehabt, wenn ich … gemacht hätte?”

Nehmen wir ein konkretes Beispiel:
Sarah zu Klaus: “Warum hast du die Spülmaschine nicht leergeräumt????”
Klaus: “Ärgerst du dich deswegen?”
Sarah: “Ja!”
Klaus: “Wäre dir lieber gewesen, ich hätte sie leergeräumt?”
Sarah: “Ja! Dann hätte ich jetzt weniger Arbeit!”

2. “Ich will verstehen!”

Kommen wir zum nächsten Versteck für Ärger: Angebliches Verstehenwollen.
Dieses Verstehenwollen drückt sich oft so aus: “Ich verstehe nicht, wie du …. konntest!” oder “Ich würde wirklich gerne verstehen, warum der das gemacht hat!”

Mit diesem Verstehenwollen ist es genauso wie mit der Warum-Frage. Es geht nicht wirklich ums Verstehen, sondern darum, in seinem Ärger gehört zu werden.
Wenn jemand dir so etwas sagt, kannst du darauf die gleichen Fragen stellen wie oben bei dem “Warum?” beschrieben.

3. “Ich wundere mich!”

In (fast) allen Fällen, in denen jemand sagt, er wundere sich über etwas oder sei über etwas überrascht, und dabei ein ernstes Gesicht macht, ist Ärger im Spiel.
Ein gutes Beispiel ist ein Satz wie: “Ich bin überrascht, dass du nicht zu meinem Geburtstag kommst!”
Wenn da kein Ärger hintersteckt, fresse ich einen Besen! 😉

Warum ich mir da so sicher bin? Weil echte Überraschung sich anders ausdrückt!
Überlege einmal, welche Worte du verwendest und in welchem Tonfall und mit welcher Mimik du sprichst, wenn du wirklich überrascht bist.
Meistens werden die Augen groß, und du bekommst vielleicht erst einmal kein Wort heraus. Du sagst vielleicht nur: “Oh Mensch!” oder “Das ist ja toll!”.
Vielleicht sagst du auch “So eine Überraschung!”

Eine Überraschung wird in der überwiegenden Zahl der Fälle als etwas Positives empfunden:
Ein unerwarteter Besuch von einem lieben Menschen, eine unvorhergesehene Beförderung, ein Geschenk.
Natürlich gibt es auch negative Überraschungen, doch zum dazugehörigen Gefühl passt dann häufig besser ein Wort wie “Schock”, oder “Schreck”.

Aber bei “Ich bin überrascht, dass du….” geht es sehr wahrscheinlich wieder darum, dass jemand in seinem Ärger gehört werden will. Dabei hat er das Problem, sich entweder gar nicht bewusst zu sein, dass er ärgerlich ist, oder sich nicht zu trauen, es zuzugeben.

In beiden Fällen kannst du wieder die Fragen von oben ausprobieren.

(“Bist du sauer/ärgerst du dich, weil ich …. gemacht habe?” und
“Hättest du es lieber gehabt, wenn ich … gemacht hätte?”)

Wahrscheinlich bringst du damit nicht nur das Gespräch mit einem Schlag auf eine konstruktivere Ebene, sondern verschaffst dem anderen auch noch ein Aha-Erlebnis über sich selbst!

Ich bin gespannt zu hören, was du erlebst, wenn du “Warum hast du ….?”, “Ich verstehe nicht, wie du … konntest!” und “Ich wundere mich darüber, dass du…” ab jetzt mit anderen Ohren hörst.

Schreibe mir gerne deine Erfahrungen und dein Feedback unten in den Kommentaren.

Danke dir und viele Grüsse,

Kendra

P.S.:Hast du Freude an bewusster Kommunikation und möchtest gerne mehr in diese Richtung ausprobieren? Dann bist du herzlich eingeladen zu unserem Wochenendworkshop am 26. und 27. August 2017 in Basel.

An diesen zwei Tagen dreht sich alles um bewusste Kommunikation und Verbindung schaffendes Zuhören.
Wir werden die meiste Zeit praktische Übungen machen, damit du Erfahrungen für die Anwendung im Alltag mit nach Hause nehmen kannst.

Es wird der einzige Workshop dieser Art für dieses Jahr, und wir versprechen dir: Der weiteste Weg lohnt sich!

Lies hier die Workshopbeschreibung und finde heraus, ob diese zwei Tage für dich sind!

Und P.P.S.: Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, dann teile ihn doch bitte über die sozialen Netzwerke! Danke, wir schätzen deine Unterstützung!!!!

Wie geht das mit “den Christus im anderen sehen”?

Wie geht das mit “den Christus im anderen sehen”?

Machst du “Ein Kurs in Wundern” und fragst dich, was genau damit gemeint ist, “den Christus im anderen” zu sehen?

Bedeutet es, dass ich eines Morgens aufwache und mein Mann sieht nicht mehr aus wie mein Mann, sondern hat auf einmal lange dunkle Haare und ein wallendes weißes Gewand an?
Meine Kinder haben dunkle Locken und schauen mich aus sanften Jesusaugen schweigend an, anstatt in der Wohnung herumzurasen?
Meine Nachbarn haben alle etwas Morgenländisches an sich und grüßen mich plötzlich mit “Friede sei mit dir, geliebte Schwester!”?

Wer sich ein wenig mit dem Kurs auskennt, weiß, dass es nicht ganz so abläuft, sondern darum geht, die wahre göttliche Natur des Menschen zu erkennen.
Die Theorie lautet: So, wie wir geschaffen sind, sind wir gut. Unsere Essenz besteht aus Licht und Liebe.
Aber auf dieser Welt laufen wir alle sozusagen verkleidet herum. Über unser wirkliches Wesen haben wir Ego-Kostüme angezogen.
Wir verhalten uns so ganz und gar nicht wie Licht und Liebe und tun nach besten Kräften so, als ob wir mit dem ganzen göttlichen Kram nichts zu tun haben.

Was angefangen hat wie ein lustiges Spiel, ist insofern in die Hose gegangen, als wir uns nicht mehr daran erinnern können, dass es ein Spiel ist und wir auch wieder damit aufhören könnten.
Wir haben unsere wahre Identität vergessen und denken wirklich, wir wären die einer ziemlich durchgeknallten Welt ausgelieferte Persönlichkeit, deren Rolle wir angenommen haben.
Wir haben vergessen, dass das hier unser (kollektives) Theaterstück ist.

Diejenigen von uns, die mittlerweile die Nase von dem ganzen Mummenschanz voll haben, stehen nun vor der Aufgabe, wie sie das mit dem Erinnern hinbekommen.
Dieses Erinnern nennt der Kurs das “Erwachen aus dem Traum”.
Wir können uns gegenseitig bei diesem Erwachen helfen, wenn wir uns darauf konzentrieren, die jeweilige Verkleidung gegenseitig zu durchschauen. Wenn ich in der Lage bin, den göttlichen Ursprung im anderen wahrzunehmen, helfe ich damit ihm und mir beim Erwachen.
Das Durchschauen der Verkleidung wiederum nennt der Kurs “Vergebung”.

Das klingt soweit ja nachvollziehbar, oder?
Der schwierige Teil fängt aber jetzt erst an, nämlich mit der Frage: Wie mache ich das???
Wie zum Teufel kann ich etwas Göttliches, Liebevolles erkennen in dem Typen, der mir die Vorfahrt nimmt, dem Lehrer, der mein Kind ungerecht benotet hat oder im Finanzamt, das mir gerade ungerechtfertigterweise Geld abknöpfen will?

Der Kurs spricht hier davon, dass man den so genannten “Heiligen Geist, die “Stimme für Gott” in uns, bitten soll, die Wahrheit gezeigt zu bekommen. Genau. Es geht um einen Perspektivwechsel.

Leider fällt dieser Perspektivwechsel den meisten von uns nicht einfach. Es geht einfach nicht so “auf Knopfdruck”, die Welt und alle Menschen darin mit ganz anderen Augen zu sehen, vor allem, wenn man am Anfang gar nicht weiss, wonach man eigentlich Ausschau halten soll!

Zum Glück gibt es hier eine wunderbare, elegante Brücke, die leider von vielen Kursschülern missverstanden und deshalb nicht angewendet wird.
Worauf ich hinauswill, ist was Marshall Rosenberg mit seiner “Gewaltfreien Kommunikation” lehrte. Er hat ganz eindrücklich demonstriert, wie man sich zum guten Kern in jedem Menschen vorarbeiten kann, und zwar mit Hilfe seines Verständnisses von Empathie.

Was Empathie oder empathisches Zuhören ist und wie es geht, beschreibe ich detailliert in diesem Artikel.

Worum es mir hier geht, ist ganz klar zu machen, dass Empathie nichts damit zu hat, sich in irgendwelche menschlichen Niederungen herabzulassen und zu verirren.
Viele Menschen, die erwachen möchten, scheinen Angst davor zu haben, sich womöglich zu sehr auf das Menschliche einzulassen und damit noch mehr ihre göttliche Identität zu vergessen, an die sie sich doch so sehnlich erinnern möchten.
Damit einher geht oft ein Rückzug aus der Welt und von ihren Mitmenschen.

Ja, jeder von uns braucht Ruhe, Zeit zum Besinnen, Zeit für sich selber.
Doch wie uns der Kurs auch sagt, können wir nicht allein erwachen.
Wir brauchen dazu unsere Brüder und Schwestern, denn die spiegeln uns einerseits die Dinge an uns, die wir in uns noch zu heilen haben, doch sie bieten auch in jeder Begegnung die Chance, unsere wahre Identität ineinander zu erkennen.

Empathie hilft dabei, weil sie jedem Menschen bei allem, was er tut, eine lebensdienliche (= liebevolle) Absicht unterstellt. Sie sucht aktiv nach der Liebe, die als Antrieb hinter allem Verhalten steckt, auch wenn der Impuls sehr verzerrt rüberkommt.
Dies schafft sie, indem sie sich nicht auf das Verhalten fokussiert, sondern auf die Bedürfnisse, die der Mensch damit versucht hat zu erfüllen.
Jeder Mensch versucht nämlich bei allem, was er tut, Bedürfnisse zu erfüllen.
Diese können eigene Bedürfnisse sein oder die von anderen.

Das Problem sind dabei nicht die Bedürfnisse, sondern die Wege, die jemand zu ihrer Erfüllung beschreitet. Diese Wege können durchaus in die Kategorie “Das Gegenteil von gut gemacht ist gut gemeint” fallen, doch darum geht es nicht.
Nehmen wir einmal ein ganz krasses Beispiel: Diese Sache lässt sich sogar auf Selbstmordattentäter anwenden. Ein solcher mag als Antrieb für seine Tat Bedürfnisse haben wie Zugehörigkeit (er fühlt sich aus der Gesellschaft ausgeschlossen) oder Sicherheit (er sieht vielleicht sich und seine Familie in der Welt bedroht und denkt, wenn er genug Feinde umbringt, dann wird es für seine Angehörigen sicherer. Und er ist dann im Himmel und sowieso in Sicherheit).
Und an diesen Bedürfnissen ist nichts falsch.

Das bedeutet aber auch nicht, dass wir mit dem Verhalten einverstanden sind und es gut finden, nur weil wir empathisch sind!!!
Wir erkennen lediglich an, dass hinter jedem Verhalten ein nachvollziehbares Bedürfnis stecken muss. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Wir graben solange, bis wir dieses Bedürfnis finden. Und wenn wir es gefunden haben, können wir sehen, dass dieser andere nicht durch und durch schlecht ist, sondern lediglich fehlgeleitet in seinem Weltbild und seinen Strategien.

Mehr noch: Da Bedürfnisse universell sind und für alle Menschen gelten, können wir sehen, dass wir uns gar nicht so sehr voneinander unterscheiden, wie wir immer denken. Der Unterschied zwischen einem Menschen, der einen anderen umbringt, und einem anderen, der niemanden umbringt, liegt nicht in den Bedürfnissen.
Jeder von uns will Sicherheit, Gemeinschaft, Hilfe, Zugehörigkeit, Wertschätzung, Essen, Kleidung und ein Dach über dem Kopf. Nur jeder verfolgt seine Bedürfnisse auf unterschiedliche Weise.

Zu erkennen, dass wir uns in diesem wesentlichen Punkt, der unser Menschsein ausmacht, alle gleich sind, hilft uns die Einheit spürbar werden zu lassen, von der beim Erwachen ja auch immer die Rede ist.
Und zu merken, dass jeder aus Bedürfnissen heraus handelt, hat echte Durchschlagskraft. Damit wird klar, dass jeder von uns von einer Kraft beseelt ist, die zum Leben beitragen will.
Könnte es vielleicht doch stimmen, dass wir tief drinnen von Liebe bewegt werden?

Und damit haben wir die Verkleidung durchschaut.

Bedürfnisse sind übrigens kein Hindernis auf dem spirituellen Weg, sondern können dir wertvolle Dienste beim Erwachen leisten. (Lies hier, wie!)

Ich hoffe ich konnte dich mit diesem Artikel ein wenig neugierig auf Empathie machen, denn ich empfinde sie als so eine große Hilfe und bin sooooo dankbar, sie bei Marshall Rosenberg erlebt zu haben, dass ich einfach der ganzen Welt davon erzählen will!

Ganz definitiv steht sie nicht im Widerspruch zum Willen, zu erwachen, im Gegenteil. Mir ist sie ein unersetzliches Hilfsmittel geworden, um zu sehen, was hinter dem Ego eines Menschen wirklich los ist.

Vielleicht möchtest du auch folgendes zu diesem Thema lesen: Macht empathisches Zuhören eine Geschichte wahr?

Es würde mich freuen, zu hören, was in dir lebendig ist, jetzt wo du gerade diesen Artikel gelesen hast.
Und: Ich bin mir bewusst, dass mir nicht jeder in allem folgen kann, da nicht alle meine Leser denselben Hintergrund mit Ein Kurs in Wundern oder Gewaltfreier Kommunikation haben.
Deshalb stelle gerne Fragen, wenn du welche hast – ich habe Spaß daran, sie zu beantworten!
Am liebsten wäre mir unten im Kommentarbereich, damit auch andere Leser davon profitieren können.

Vielen herzlichen Dank!

Kendra

Noch etwas: Den Christus in einander durch Empathie zu erkennen, üben wir an unserem Wochenendworkshop am 26. und 27. August 2017 in Basel.

Würdest du gerne erfahren, wie das ist?

Dann lies hier die Workshopbeschreibung und finde heraus, ob diese zwei Tage für dich sind!

P.S.: Wenn du diesen Artikel hilfreich findest, dann teile ihn doch bitte über die sozialen Netzwerke! Danke! <3

Bist du nach Gesprächen oft irgendwie unzufrieden?

Bist du nach Gesprächen oft irgendwie unzufrieden?

Kennst du das auch?

– Du bist in einer Unterhaltung, aber fängst plötzlich an, dich zu langweilen
– Du fühlst dich während eines Gesprächs oder danach angespannt und frustriert, aber findest keinen “echten” Grund dafür
– Du findest Gespräche anstrengend und Energie raubend

Free-Photos/pixabay

Viel zu viele Gespräche in unserer Kultur verlaufen frustrierend. Sie führen zu Unzufriedenheit und innerer Distanzierung, auch wenn es gar keinen akuten Streit oder eine Meinungsverschiedenheit gibt.
Aber sind Gespräche nicht eigentlich dazu da, Nähe, Verständnis, Austausch und Freude zu bringen? Wie um Himmels willen schaffen wir, das das Gegenteil dabei herauskommt?

Die Antwort liegt auf der Hand, wenn wir
1. das Hauptbedürfnis erkennen, das durch Gespräche erfüllt werden soll, und
2. überprüfen, ob unsere “normale” Art, Gespräche zu führen, diesem Bedürfnis überhaupt eine Chance gibt.

Fangen wir also mit dem Hauptbedürfnis an. (Lies außerdem hier, warum Bedürfnisse und Spiritualität sich nicht ausschließen.) Dieses Bedürfnis ist nichts Mysteriöses, schwer zu Erkennendes, sondern Gottseidank ganz simpel:
Gehört werden.

In fast allen Fällen, in denen ein Mensch redet, möchte er gehört werden. Und: Den meisten Menschen ist dies nicht bewusst. Sie wissen nicht, um was es ihnen wirklich geht, wenn sie etwas erzählen. Das ist auch nicht verwunderlich, denn diese simple Weisheit wird in unserer Gesellschaft nicht gelehrt!

Wenn dieses Bedürfnis nicht erfüllt wird, dann schleichen sich Anspannung, Frustration, Verzweiflung oder regelrechter Ärger ein. Da oft nicht erkannt wird, was die Ursache für diese Gefühle ist – das Nicht-gehört-Sein – suchen wir den Grund dann woanders und regen uns zum Beispiel über das auf, was der andere gesagt hat.

Hier ein Beispiel, damit sich das besser nachvollziehen lässt:

A: “Gestern hatte ich so einen Scheisstag! Mein Chef war die ganze Zeit nur am Meckern!”
(Hat das Bedürfnis, gehört zu werden)
B: “Oh, du solltest aber auch endlich deine Stelle kündigen!” (B ist nicht auf dieses Bedürfnis eingegangen, sondern hat einen Ratschlag erteilt)
A fühlt sich nach dem, was B gesagt hat, frustriert, weiss aber nicht so recht, wieso. Als er nach Hause kommt, beschwert er sich bei seiner Frau über B: “B hat vielleicht krasse Ansichten! Er sagt, ich soll kündigen! Das ist doch total bescheuert!”

Dieser Dialog zeigt ein typisches Reaktionsmuster unserer Gesellschaft, das am Hauptbedürfnis in Gesprächen vorbeigeht:
Ratschläge erteilen. Wenn jemand ein Problem schildert, sagen wir ihm, was er tun “sollte”.
Andere typische Muster sind Herunterspielen “Aber das ist doch nicht so schlimm – jeder hat einmal einen schlechten Tag!” oder von uns selbst reden: “Oh, das kenne ich! Mein Chef war letzte Woche auch wieder so!”

In jedem Fall wird derjenige, der eigentlich gehört werden wollte, frustriert!
Und es ist nicht so leicht, diesen Frust zu erkennen, da die ganzen Antwortmuster, die das Gehört werden verhindern, so üblich sind. Alle machen es so. Die ganze Zeit. Oder fast die ganze Zeit ;-). So haben wir gar keine Chance, zu erleben, wie es wäre, richtig gehört zu werden.

“Gehört werden” ist dabei im Grunde ganz einfach zu erfüllen. Alles, was es dazu braucht, ist in ein oder zwei Sätzen wiederzugeben, was der andere gesagt hat.
Wichtig ist dabei sind 2 Dinge:
1. Man muss zum GEFÜHL des Sprechers einen Bezug eingehen bzw. dazu, wie es ihm mit der Sache geht.
2. Man muss ihn danach FRAGEN.
Das mit dem Fragen ist wichtig, weil niemand gerne von außen gesagt bekommt, wie er sich fühlt bzw. was in ihm vorgeht. Jeder möchte gerne über sein Innenleben die Deutungshoheit behalten. Das bleibt gewahrt, wenn wir nicht diagnoseartig feststellen, sondern fragen.
Also nicht: “Du bist aufgebracht!”, sondern “Du bist ganz aufgebracht, richtig?”

(Probiere es aus: Ein sehr schneller und sicherer Weg, jemanden zur Weißglut zu bringen, ist, ihm von außen zu sagen, was er fühlt und was ihn ihm vorgeht und seine tatsächlichen Gefühle nicht gelten zu lassen. 😉 )

B hätte in unserem Fall zum Beispiel zu A sagen können:
“Oh, dein Chef hat den ganzen Tag gemeckert! Das war bestimmt sehr schwer auszuhalten!”
oder
“Wenn dein Chef meckert, stresst dich das ganz gewaltig, kann das sein?”

Mit dem gehört werden ist es genauso wie mit dem gelobt werden (lies hier den Artikel dazu). Wenn das Bedürfnis nicht erfüllt wird, haben irgendwie ein ungutes Gefühl, aber wissen nicht genau wieso, und denken im Zweifelsfall, mit uns sei etwas nicht richtig.
Dieser Gedanke, dass mit einem etwas nicht richtig ist, kann dabei auch die Tarnung annehmen von “Ich habe da noch ein Thema zu heilen”.

Dabei ist es ganz einfach so: Für alle Menschen auf der Welt ist es frustrierend, nicht gehört zu werden.

Gehört zu werden führt innerhalb von Minuten zu Entspannung,  Verbundenheit und dem herrlichen Gefühl, das mit einem alles in Ordnung ist.
Selbstliebeturbobeschleuniger.

Es ist also völlig normal und menschlich, gehört werden zu wollen, und der Ausweg ist nicht, sich dieses Bedürfnis abzutrainieren oder “wegzutransformieren” (ich bin jetzt mal ein bisschen gemein 😉 ), sondern dafür zu sorgen, dass es Erfüllung findet – weil da alle etwas von haben, nicht nur du!!!
Ich meine damit nicht, dass wir das gehört werden nun auf penetrante und nervtötende Weise von unserer Umgebung einfordern sollen, sondern es geht mir um den bewussten und liebevollen Umgang damit.

Wenn ich erkenne, dass ich gerade gehört werden will, dann ist es meine Aufgabe, mich darum zu kümmern, dass ich es bekomme. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten:
1. Ich kann es selber geben, indem ich mir innerlich sage: “Wenn dein Chef meckert, bist du gestresst! Ich höre dich! Du bist gestresst! Das ist ok!”
2. Ich kann eine andere Person gezielt bitten, mir zuzuhören und wiederzugeben, was ich gesagt habe.

Darüber hinaus kann ich selber dafür sorgen, dass mehr Zuhören in die Welt kommt und Gespräche wieder mehr Spaß machen und erfüllender werden.
Das tue ich, indem ich für mein Gegenüber in Gesprächen öfter wiederhole, was ich sie oder ihn habe sagen hören und nach ihren oder seinen Gefühlen frage.

Vielleicht gibt es nun den oder oder anderen hier, der immer noch fragt: “Aber Bedürfnisse sind doch unreif/ unspirituell …. sollte ich das nicht irgendwie hinter mir lassen können?”

Meine Antwort darauf wäre: “Warum willst du es hinter dir lassen?”

Was ist, wenn der Sinn und Zweck unseres Lebens Beziehung wäre? Wenn es das Einzige wäre, was es zu “tun” gäbe, das Wesentliche, worauf es ankommt? Sagen Sterbende nicht, sie wünschten, sie hätten mehr Zeit mit ihren Liebsten verbracht?

Dann wäre es ganz fatal, sich dieses Bedürfnis abzugewöhnen, denn dieses Bedürfnis sorgt ganz genial dafür, dass wir immer wieder in Beziehung treten. Weil es sich gut anfühlt. Weil es glücklich macht. Weil wir als Gemeinschaftswesen gestrickt sind und nicht anders können.

Und, ganz wichtig:
Jedes Mal, wenn du mit jemandem in Beziehung gehst, machst du diesem Jemand ein Geschenk. Denn nicht nur du hast ein Bedürfnis nach Beziehung, sondern alle anderen auch. Wirklich zuhören fühlt sich genauso gut an, wie wirklich gehört werden.

Deshalb: trau dich! <3

Würdest du gerne die glücklich machende und heilende Wirkung von Zuhören erfahren und selber besser lernen?

Dann bist du herzlich eingeladen zu unserem Wochenendworkshop am 26. und 27. August 2017 in Basel.

An diesen zwei Tagen dreht sich alles um bewusste Kommunikation und Verbindung schaffendes Zuhören.
Wir werden die meiste Zeit praktische Übungen machen, damit du Erfahrungen für die Anwendung im Alltag mit nach Hause nehmen kannst.

Es wird der einzige Workshop dieser Art für dieses Jahr, und wir versprechen dir: Der weiteste Weg lohnt sich!

Lies hier die Workshopbeschreibung und finde heraus, ob diese zwei Tage für dich sind!

So oder so freue ich mich, wenn dir dieser Artikel ein paar Impulse geben konnte, um deine Gespräche ab jetzt erfüllender zu gestalten und dich selbst mehr zu lieben.

Danke fürs Lesen und bis bald!

Kendra

P.S.: Wenn du diesen Artikel hilfreich findest, dann teile ihn doch bitte über die sozialen Netzwerke! Danke! <3

Macht empathisches Zuhören eine Geschichte wahr?

Macht empathisches Zuhören eine Geschichte wahr?

Seitdem ich vor über 10 Jahren Marshall Rosenberg, dem Begründer der Gewaltfreien Kommunikation, begegnet bin, bin ich ja ein bekennender Fan von empathischem Zuhören.

Es schafft in Sekundenschnelle eine Verbindung, es wirkt beruhigend und entspannend, es bringt Klarheit und es entschärft Konflikte. Eine rundum segensreiche Sache, sollte man meinen, und doch höre ich oft den Einwand: “Aber…mache ich damit eine Geschichte nicht wahr?”

Quelle: loreanto@adobe.com

Damit gemeint ist, ob ich jemanden, dem es gerade nicht gut geht, nicht in seinem Leiden bestätige, anstatt ihm herauszuhelfen. Nehmen wir als Beispiel einen Mann namens Kurt, der schon länger eine schwierige Beziehung zu seinem Nachbarn hat. Nun hat der Nachbar ohne Vorwarnung kurzerhand eines Nachts Kurts lange gehegten Obstbaum an der Grundstücksgrenze abgesägt, weil vom Baum Fallobst und Laub auf seinen Rasen fielen.

Kurt ist außer sich und regt sich auf. Als er mir von dem Vorfall erzählt, läuft sein Gesicht rot an und er schimpft: “So ein Blödmann! Was erlaubt der sich! Das ist eine Frechheit! Dreist! Das lasse ich mir nicht gefallen!”

Durch die analytische Brille betrachtet könnten wir Kurt nun ein Opferbewusstsein attestieren. Er sieht sich als Opfer seines Nachbarn. Und wenn ich ihm empathisch zuhöre, verfestige ich das Opferbewusstsein dann nicht?

Probieren wir es doch einfach einmal aus. So könnte es aussehen, wenn ich Kurt Empathie gebe:

Ich: “Mensch Kurt, du bist ganz schön wütend, was?”
Kurt: “Ja klar! So ein Arsch! Sägt einfach meinen schönen Baum ab!”
Ich: “Das war ein Schock für dich, oder?”
Kurt: “Ja aber hallo! Ich gucke morgens aus dem Fenster, und der Baum ist weg!”
Ich: “Und dabei war das doch dein Lieblingsbaum!”
Kurt: “Ja!”
Ich: “Da bist du bestimmt auch traurig.”
Kurt (wird ruhiger):”Hm, schon. Den Baum haben wir damals zur Hochzeit bekommen, und ich habe ihn seit 15 Jahren gehegt und gepflegt.”
(Stille)
Ich: “Es wäre schön, wenn ihr euch mit dem Nachbar besser verstehen würdet, oder?”
Kurt: “Das habe ich schon aufgegeben. Du siehst doch, wie er ist! Blödmann!”
Ich: “Du kannst dir gar nicht mehr vorstellen, dich mit ihm zu verstehen? Vor allem wegen der Sache mit dem Baum?”
Kurt: “Richtig. Mit dem zu reden ist doch zwecklos.”
Ich: “Du bist bestimmt enttäuscht, weil du eigentlich gerne ein gutes Verhältnis hättest?”
Kurt: “Eigentlich – ja. Wir haben ihn ja damals auch extra zur Einweihung eingeladen.”
Ich: “Wahrscheinlich wünschst du dir, er würde deine Gesten anerkennen?”
Kurt: “Ja! Ich will ihm doch gar nichts Böses!”
Ich: “Das muss echt frustrierend für dich sein….”
Kurt: “Ja, danke!! Es tut echt gut, das einfach alles mal loszuwerden….”

An diesem Punkt spürt Kurt seine Trauer und seine Frustration deutlich. Er ist nun nicht mehr wütend und denkt nicht mehr über Rache an dem Nachbarn nach. Stattdessen überlegt er, wie er dem Nachbarn seinen Schmerz über den Baum und seinen Wunsch nach einem besseren Verhältnis kommunizieren kann.
Er fühlt sich nicht mehr ausgeliefert, sondern ist wieder in Kontakt mit dem, was er wirklich will. Das gibt ihm neue Kraft und neue Ideen – und eine realistische Chance darauf, seinen Nachbarn zu erreichen.

Dieses Szenario ist fiktiv, zeigt aber deutlich, was Empathie bewirkt. Am Ende bringt sie nicht etwa eine Zementierung eines Opferstatus oder einer negativen Einstellung, sondern ganz im Gegenteil, sie öffnet und schafft den Raum für etwas Neues.

Wie gelingt ihr das?

Wie du beim Lesen des Dialoges vielleicht gemerkt hast, habe ich “die Geschichte” von Kurt mit keinem Wort bestätigt. Ich habe ihm nur Fragen nach seinen Gefühlen und nach seinen Bedürfnissen gestellt, die ihm geholfen haben, unter seinem Ärger wieder mit sich selbst in Kontakt zu kommen. Dadurch konnte Kurt letztlich auch spüren, dass sein eigentlicher, tiefer liegender Wunsch ein gutes Verhältnis mit dem Nachbarn war.

Empathie hilft Menschen also, zu sich selbst zurückzufinden. Empathie bewertet nicht und versucht nicht, dem anderen einen Ratschlag zu geben oder ihn von einer bestimmten Sichtweise zu überzeugen. Empathie signalisiert dem Gegenüber, vollkommen in Ordnung zu sein, welche Gefühle und Gedanken ihn auch immer gerade beschäftigen mögen.
Wer empathisch zuhört, ist außerdem präsent, und hilft dem Gegenüber durch die eigene Präsenz, selbst wieder präsent zu werden.
Mit Hilfe alle dieser Elemente entsteht ein Raum, um die Situation anzunehmen, zu verarbeiten und in konstruktives Handeln zu kommen.

Zusammengefasst könnte man sagen:

Empathie ist eine Haltung der bedingungslosen Annahme des anderen.
Und sie ist ein Vertrauen darauf, dass im anderen ein guter Kern existiert, der vielleicht momentan nicht sichtbar ist, aber wieder zum Vorschein kommen wird.

Diese wertungsfreie und wohlwollende Art der Begegnung ist für den anderen spürbar, und er hat nicht wie sonst so oft das Gefühl, sich verteidigen, erklären oder rechtfertigen zu müssen. Er kann sich – getragen durch diese bedingungslose Annahme – mit sich selbst entspannen und fängt von alleine an, die freiwerdende Energie für ein konstruktives Herangehen an die Situation zu nutzen.

Am Ende machen wir eine Geschichte durch Empathie nicht wahr, sondern bieten dem anderen eine wirksame Unterstützung, um selber aus der Geschichte auszusteigen!

Voraussetzung für diesen “Erfolg” ist, wie gesagt, die wertfreie und wohlwollende Grundhaltung, die der Zuhörende mitbringt. Wenn du mehr darüber wissen willst, dann lies hier den ergänzenden Artikel “So geht empathisches Zuhören”.

Ich hoffe, mit diesem Beitrag zu einem besseren Verständnis von empathischem Zuhören beigetragen zu haben. Ich würde mich freuen, zu hören, was du darüber denkst!

Kendra Gettel

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Die Kommunikationswunderformel

Die Kommunikationswunderformel

Hast du dich auch schon gefragt, wie du Dinge, die dich triggern und ärgern, ansprechen kannst, ohne mit deinem Gegenüber in eine Abwärtsspirale aus gegenseitigen Vorwürfen und Verletzungen zu enden?
Probiere doch einmal unsere “Kommunikationswunderformel”!

Die “Kommunikationswunderformel” besteht aus den folgenden fünf Schritten:

    1. Deine Beobachtung
    2. Dein Gefühl
    3. Deine Interpretation der Situation
    4. Deine Bereitschaft, mit deiner Interpretation falsch zu liegen
    5. Deine Bitte um Hilfe dabei, die Situation richtig zu sehen und den anderen als unschuldig sehen zu können

Gehen wir direkt zu einem Beispiel, wie diese Formel im Alltag verwendet werden kann. Stellen wir uns ein Ehepaar vor, John und Linda. Sie haben zwei Kinder.

Linda ist ärgerlich. Ihr Ärger wird ausgelöst, als sie nach der Arbeit nach Hause kommt und sieht, dass das Abendessen noch nicht fertig ist, obwohl John versprochen hatte, sich darum zu kümmern.

Lindas Beobachtung wäre: “Du hast kein Abendessen gemacht!”
Angesichts dessen könnte ihr Gefühl “Ich bin ärgerlich!”, “Ich bin wütend!” oder “Ich bin frustriert!” sein. Dabei denkt bzw. interpretiert sie gegenüber John “Du unterstützt mich nicht im Alltag!”

Um ihre Verärgerung auszudrücken und auf liebevolle Weise die Verbindung zu John wiederherzustellen, könnte Linda damit anfangen, diese drei Dinge (Beobachtung, Gefühl und Interpretation) mitzuteilen: “John, wenn ich sehe, dass du kein Abendessen gemacht hast, obwohl du gesagt hast, du würdest es tun, bin ich wütend und interpretiere, dass du mich im Alltag nicht unterstützt!”

So weit, so gut. Und jetzt kommt der Teil mit dem “Wunder”, nämlich der Teil mit der Bereitschaft, sich in der Interpretation zu irren und der Bitte um Hilfe: “Naja, es kann ja nicht stimmen, dass du mich im Alltag nicht unterstützt, weil ich ja weiß, dass du bei vielen Gelegenheiten tust. Gestern, zum Beispiel, hast du ja mein Fahrrad repariert. Würdest du mir helfen, herauszufinden, was gerade wirklich los ist, und dich wieder als den hilfsbereiten Mann zu sehen, der du bist?” 

Alles klar? 🙂

Um noch verständlicher zu machen, was Linda sagt, warum es funktioniert und wie du es selbst anwenden kannst, sehen wir uns die fünf Schritte im Detail an:

1. Die Beobachtung

Bei der Beobachtung beschreibst du, was du siehst, hörst oder anderweitig durch deine fünf Sinne wahrnimmst. Was passiert bzw. ist passiert? Bleibe bei den Fakten. Stell dir vor, du bist eine Videokamera, die das Geschehen aufzeichnet. Was wäre auf der Aufnahme zu sehen und zu hören?

Achte darauf, die Beobachtung nicht mit einer Interpretation zu vermischen. Bleib neutral. “Du hast kein Abendessen gemacht” oder “Das Abendessen ist nicht fertig” sind Beobachtungen. “Ich kann mich beim Abendessen machen nicht auf dich verlassen!” zum Beispiel ist dagegen eine Interpretation. Die Interpretation ist in Schritt drei an der Reihe.

2. Das Gefühl

Beschreibe, was du fühlst, wenn du die Beobachtung machst, und bleibe dabei bei reinen Gefühlswörtern wie “wütend”, “traurig”, “ängstlich”, “frustriert”, “gestresst”, “unter Druck” oder “verärgert”. Sei dir bewusst, dass Begriffe wie “missverstanden”, “angegriffen” oder “nicht berücksichtigt” keine Gefühlsbeschreibungen im eigentlichen Sinne sind, sondern Interpretationen. Um dir wirklich darüber klar zu werden, was in dir los ist, und um dem anderen zu helfen, dich authentisch zu fühlen, hilft es extrem, in diesem Punkt klar zu sein und beim reinen Gefühl zu bleiben, ohne eine Interpretation hineinzumischen.

3. Die Interpretation

Wir sind es gewohnt, zu denken, dass wir wegen etwas getriggert sind, das passiert ist oder das jemand getan hat. Tatsächlich ist der Grund für den Trigger aber die Bedeutung, die wir dem Ereignis geben, oder, in anderen Worten, wie wir die Sache interpretieren.
Wenn wir die Interpretation ändern, verschwindet der Trigger.
In unserem Beispiel interpretiert Linda, dass John sie nicht unterstützt. Andere häufige Interpretationen sind “Du wertschätzt mich nicht bzw. was ich tue”, “Du liebst mich nicht” oder “Du greifst mich an.”

4. Die Bereitschaft, es anders zu sehen

Dies ist der Wendepunkt in eurem Gespräch, und der Schritt, der wahrscheinlich über das hinausgeht, was du in anderen Kommunikationsmodellen bisher kennengelernt hast. Die Sache ist: Wenn du nach Schritt drei aufhörst, wird die andere Person immer noch sehr wahrscheinlich denken, dass du sie angreifen oder ihr Vorwürfe machen willst. Und dann bekommst du nicht etwa Hilfe, sondern in der Regel einen Gegenangriff. Doch du willst ja gerade Hilfe, um die Kuh vom Eis zu bekommen, richtig?
Der Trick besteht darin, die Interpretation aus Schritt drei in Frage zu stellen und aktiv nach Beweisen dafür Ausschau zu halten, dass sie falsch ist.

Am Anfang, wenn du noch getriggert und verärgert bist, ist es gut möglich, dass sich dieser Schritt wie Selbstverarschung und Selbstaufgabe anfühlen. Der Grund dafür ist deine Identifikation mit der Interpretation! Die Interpretation aufzugeben fühlt sich irgendwie an wie Sterben, doch genau das Gegenteil wird passieren. Tu es einfach. Sag deinen Satz auf, auch wenn du heftigen Widerstand spürst und ganz fest davon überzeugt bist, Recht zu haben.

Du brauchst nur ein kleines bisschen Bereitschaft, ein klein wenig Offenheit für eine andere Sicht der Dinge als dir die vorwurfsvolle und Schuld zuweisende Stimme in deinem Kopf dir mit ihrer negativen Interpretation weismachen will.
Nehmen wir als Beispiel die Interpretation “Du liebst mich nicht.”. Nachdem du sie formuliert hast, füge so etwas hinzu wie “…aber das kann ja nicht sein, weil….” und schaue, ob du dafür Beweise finden kannst, dass der andere dich doch liebt.

Der ganze Satz sähe dann so aus: “Ich interpretiere, dass du mich nicht liebst, aber das kann ja nicht sein, weil du mir jeden Tag sagst, dass du mich liebst, und außerdem hast du dir für meinen Geburtstag letzten Monat eine ganz besondere Überraschung ausgedacht.”
Kannst du fühlen, wie sich deine Verärgerung schon anfängt, zu verändern?

Übrigens: Wenn du keine Beweise finden dafür finden solltest, dass der andere dich liebt, dann teile das einfach mit: “Ich tue mich gerade schwer damit, Beweise zu finden, dass du mich liebst.”

5. Bitte um Hilfe

Bitte an dieser Stelle den anderen um Hilfe dabei, zu sehen, was wirklich geschehen ist. Was wirklich geschehen ist, ist nie so schlimm wie unsere Interpretation. Wir interpretieren oft eine Handlung als gegen uns, die in Wahrheit gar nichts mit uns zu tun hatte oder einen verzweifelten Versuch des anderen darstellte, für sich zu sorgen.
In unserem Beispiel war John vielleicht damit beschäftigt, ein weinendes Kind zu trösten. Oder ihm ist irgendetwas anderes dazwischengekommen. Auf jeden Fall hat er ganz bestimmt nicht gedacht “Heute werde ich Linda mal nicht unterstützten, und ich will sie ärgern. Ich werde einfach kein Essen machen, obwohl ich gesagt habe, ich würde mich darum kümmern!”
Der andere wird gerne bereit sein, dir zu helfen, weil du deine Bereitschaft gezeigt hast, ihn als unschuldig zu sehen, zu sehen, dass er nur für sich sorgen und nicht etwa dich angreifen wollte.

Wir hassen es, Vorwürfe um die Ohren gehauen und Schuld zugewiesen zu bekommen. Es macht uns defensiv und löst in uns den Drang zu einem Gegenangriff aus. Und gleichzeitig sind Vorwürfe und Schuldzuweisungen die Art zu reden, die uns unsere Gesellschaft beibringt. Wir sind kollektiv süchtig danach. Wir haben nicht anders gelernt, unsere Gefühle und Bedürfnisse zum Ausdruck zu bringen. Kein Wunder also, dass Vorwürfe und Urteile unsere erste Reaktion auf Trigger sind!
Es braucht Zeit und bewusste Bemühung, um diese gewohnheitsmäßige Reaktion abzulegen, aber du kannst es tun, und du wirst es tun, weil du es lieben wirst, wie sich deine Beziehungen verbessern, wenn du damit aufhörst 🙂
Hier sind einige Beispiele, wie du Schritt fünf formulieren kannst:
“Ich will aufhören, dich dafür verantwortlich zu machen, was ich fühle. Kannst du mir helfen, zu sehen, dass du das nicht gegen mich gemeint hast? Was war bei dir gerade los in dem Moment?”
“Kannst du mir helfen zu sehen, dass du getan hattest, was du konntest?”
“Kannst du mir helfen, wieder zu sehen, dass du ein wundervoller Mensch bist und ich dich liebe?”
“Kannst du mir aus der Patsche helfen, indem du mich daran erinnerst, was du alles für mich tust?”

Bitte lass uns doch wissen, inwieweit diese Formel (oder Teile davon) dir geholfen haben. Schreibe uns eine E-Mail oder hinterlasse unten einen Kommentar.
Ich freue mich schon ungeduldig darauf, zu hören, welche aufregenden Veränderungen in deinen Beziehungen du erlebst!

Danke,

Kendra

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