Warum deine Bedürfnisse und deine Spiritualität sich nicht widersprechen

Warum deine Bedürfnisse und deine Spiritualität sich nicht widersprechen

“Bedürfnisse kommen vom Ego.”
“Bedürfnisse sind das Resultat eines Mangeldenkens. Mangeldenken führt aber in die falsche Richtung.”
“Wer wahrhaft erwacht ist, hat keine Bedürfnisse mehr.”

Solche und ähnliche Aussagen hören wir oft, wenn es um die Frage geht, ob Bedürfnisse zu einem spirituellen Weg dazugehören.

Im Allgemeinen scheint das Thema eine recht explosive Ladung zu besitzen. Wir könnten uns entscheiden, es deshalb zu vermeiden. Doch gerade darin, sich nicht mit Bedürfnissen (wie auch mit Gefühlen) auseinanderzusetzen, liegt eine große Gefahr für unseren spirituellen Fortschritt.

Also wie ist das denn nun wirklich mit den Bedürfnissen, und gibt es einen “spirituell korrekten” Umgang damit?

Zunächst möchte ich dich einladen, dir einen Moment lang zu überlegen, was du mit dem Begriff “Bedürfnisse” assoziierst.
(Noch zur Klarstellung: Mit Bedürfnissen meine allgemeine menschliche Bedürfnisse wie Essen, Obdach, Gemeinschaft, Unterstützung, Zugehörigkeit, gehört werden. Ich spreche nicht von Strategien wie Schokolade, Rauchen, Fernsehen oder Reisen. 😉 )

Was ist deine erste Reaktion?
Empfindest du Bedürfnisse als etwas Positives oder etwas Negatives?
Und welche Bilder oder Begriffe tauchen für dich in dem Zusammenhang auf?

Für die meisten Menschen sind Bedürfnisse etwas Negatives. Bedürfnisse werden mit Schwäche und mangelnder Reife verbunden. Es herrscht das Bild vor, dass Bedürfnisse etwas sind, aus dem man herauswächst oder zumindest herauswachsen sollte.
Zumindest stören Bedürfnisse den Betrieb! Im Alltag sollen wir funktionieren, und wir haben die Befürchtung, dass wir dazu nicht mehr in der Lage sind, wenn wir unseren Bedürfnissen nachgeben. Würden wir zum Beispiel unseren Job überhaupt noch geregelt bekommen? Würden wir nicht den ganzen Tag schlafen oder faul in der Hängematte liegen?

Ich persönlich glaube, dass das Misstrauen gegenüber Bedürfnissen tief in unserer Kultur verankert ist und gar nicht originär mit der Spiritualität zu tun hat, sondern in die Spiritualität mit hineingenommen wurde.

Und so herrscht auch im spirituellen Kontext das Bild von den störenden Bedürfnissen, die der Verbindung mit Gott und dem Erwachen im Weg stehen, weil sie einen auf der menschlichen Ebene festhalten oder so etwas.

Das klingt zunächst ja auch völlig logisch.
Doch es hat einen Haken: Wir schaffen damit eine Spaltung, eine Trennung.

Und jede Form von Spaltung und Trennung läuft dem Erwachen zuwider, denn Erwachen hat mit der Erkenntnis zu tun, dass es keine Trennung gibt!

Auf Bedürfnisse bezogen bedeutet das: Wenn wir Bedürfnisse für ein Problem halten, werden wir ihnen gegenüber eine ablehnende Haltung einnehmen. Das heisst wiederum, dass wir einem Teil von uns selbst gegenüber eine ablehnende Haltung einnehmen. Der Teil, der da Bedürfnisse hat, wird als “falsch” angesehen, als etwas, das sich ändern oder gehen muss!
Und voilá, schon haben wir die Trennung in uns selbst vollzogen!

Wie sollen wir so uns selbst als die allumfassende, bedingungslose Liebe erfahren, die wir sind, wenn wir bestimmte Dinge in uns nicht lieben, sondern loswerden wollen?

Eben.

Es gibt aber noch einen anderen Grund, warum es nicht nötig und sogar von Nachteil ist, Bedürfnisse über Bord werfen zu wollen.

Dazu machen wir einen kurzen Abstecher zur Definition von “Ego”.
Das Ego ist eine verzerrte Wahrnehmung der Realität. Die Realität des Universums/ Gottes ist Liebe.
(Auf die Frage, warum es dann in unserer Welt so vieles gibt, was nicht nach Liebe aussieht, gehe ich an anderer Stelle ein.)
Gott kann nichts anderes sein als Liebe, denn sonst würde er sich irgendwann selbst zerstören. Liebe baut auf, das Gegenteil von Liebe nimmt auseinander. Gott kann nicht beide Eigenschaften in sich haben, das würde nicht funktionieren.

Das Ego hat aus sich selbst heraus keine Macht. Es hat keine Substanz. Es ist nur ein Versuch, die Realität zu verbiegen, ein Theaterspiel, ein So-tun-als-ob es wirklich das Böse gäbe.
Alles, was ist, kommt von Gott- direkt oder indirekt. Es kommt nichts vom Ego. Das Ego kann nur Dinge, die von Gott kommen, nehmen und sie maskieren.

Warum ist das relevant für Bedürfnisse? Nun, weil es bedeutet, das Bedürfnisse nicht vom Ego kommen können. Sie können nur vom Ego benutzt und falsch interpretiert werden. Und genau das passiert in unserer Welt, so haben wir es beigebracht bekommen.

Drehen wir die bisherige Logik, nach der Bedürfnisse schlecht sind, doch einfach einmal um und verbinden sie mit spiritueller Logik.

Alles kommt von Gott = auch Bedürfnisse kommen von Gott bzw. in dieser Welt stecken hinter Bedürfnissen letztlich göttliche Impulse.
Das Ego verzerrt das, was von Gott kommt = das Ego verurteilt Bedürfnisse als schlecht und betrachtet sie als Ausdruck von Mangel.
Die Wahrheit kann nur das Gegenteil sein: Bedürfnisse sind ein Fülle-Impuls.

Wenn wir Bedürfnisse so betrachten, dass uns etwas fehlt, was wir uns dann um jeden Preis irgendwie im Außen beschaffen müssen, dann sind wir im Ego und im destruktiven Umgang mit Bedürfnissen. Dann suchen wir die Erfüllung außerhalb von uns und ruinieren durch unsere fordernde Art unsere Beziehungen.

Doch wenn wir Bedürfnisse als Impuls betrachten, eine Form von Liebe in die Welt zu bringen, dann sind sie eine nährende Kraft, die das Leben für alle schöner macht.

Ein Beispiel: Ich nehme in einer Situation wahr, dass ich ein Bedürfnis nach Wertschätzung habe. Nach dem Ego-Paradigma würde ich das Bedürfnis einerseits peinlich finden, doch gleichzeitig (meistens unbewusst) versuchen, andere Menschen dazu zu bringen, mir Wertschätzung zu zeigen. Und würde den anderen mit meiner Bedürftigkeit auf den Keks gehen und wäre gleichzeitig ganz oft frustriert, weil ich überall einen Mangel an Wertschätzung wahrnehme.

Im Paradigma der Fülle würde ich sehen: Oh, diese Situation wäre mit Wertschätzung schöner! Wertschätzung ist die Form, in der die Liebe hier gute Dienste leisten könnte! Da ich das merke, muss der Wunsch, Wertschätzung zu geben, in mir sein! Wie kann ich mir selbst und anderen Menschen Wertschätzung ausdrücken?

Wenn ich dann anfange, mir selber zu sagen, was ich an mir schätze, und den Menschen um mich herum sage, was ich an ihnen schätze, dann beginnt die Liebe in mir zu fließen und ich kann mich selber als Liebe erleben. Als eine Bereicherung, als ein Geschenk an die Welt und meine Mitmenschen.

Auf diese Weise wird ein Bedürfnis, das ich wahrnehme und auf das ich mit Liebe antworte, zu einer direkten Erfahrung der Liebe und der Einheit! Ein Schritt in genau die Erfahrung, die wir mit dem Erwachen anstreben, oder?
Es spielt dabei keine Rolle, ob ich das Bedürfnis bei mir oder bei einem anderen Menschen wahrnehme.
Es gibt keine Trennung. Wir sind alle eins :-).

Ich würde mich freuen, wenn ich dir mit dieser Beschreibung Lust auf deine Bedürfnisse gemacht habe. Lust darauf, der Welt und damit dir selbst deine Liebe zu schenken.

Da ist so eine Ahnung in mir, dass das Leben dadurch schöner wird. Viel, viel schöner!

Danke fürs Lesen. Was brauchst du heute? 🙂

Kendra

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Warum spiritueller Perfektionismus dir schadet

Warum spiritueller Perfektionismus dir schadet

Kürzlich begegnete mir einer dieser Appelle daran, die eigene Spiritualität mehr ins Leben zu integrieren:
“Entscheide dich jetzt zu 100% für Gott! Keine Ablenkungen mehr! Jetzt ist die Zeit, deine wahre Identität VOLL UND GANZ anzunehmen!”

Meine Reaktion darauf war interessant. Im Grunde will ich das ja – meinen Alltag aus meiner Spiritualität heraus leben. Also hätte dieser Aufruf in mir ja eigentlich Berührung und Begeisterung auslösen müssen. Eigentlich.
Stattdessen fühlte ich mich schlagartig gestresst und kam mir minderwertig vor. Offensichtlich gab es noch etwas zu “verbessern”!

Mehr Hingabe, mehr Konsequenz! Weniger Abschweifungen! Weniger Ego!
Richtig! Ich sollte mich jetzt echt mal am Riemen reissen, damit das mit der Erleuchtung in diesem Leben noch was wird!!!

Und schnapp – schon war es passiert.
Ich war in die Falle des spirituellen Perfektionismus geraten!

Diese Falle sieht folgendermaßen aus: Du strebst irgendetwas an, was an und für sich gut und lohnenswert ist. Erwachen zum Beispiel. Oder bedingungslose Liebe. Urteilsfreiheit.

Du bist fest entschlossen, dein Ziel zu erreichen. Du hast dich dafür entschieden.

Doch dann schleicht sich der Saboteur ein: Druck!

Das Ziel stimmt, doch wir wollen es mit den falschen Mitteln erreichen.

Wie kommen wir denn zum Erwachen und in die bedingungslose Liebe?
Indem wir annehmen, was ist. Indem wir uns öffnen. Indem wir aufhören, gegen Situationen, Menschen und Gefühle anzukämpfen.
Nur dann kann die Wahrheit zu uns durchdringen.

Wir müssen die Wahrheit und die Liebe nicht suchen und sie uns nicht verdienen. Beide sind schon da und suchen uns!

Wenn wir in die Perfektionismusfalle tappen, fangen wir einen inneren Kampf an. Wir unterteilen die Dinge wieder in “gut” und “schlecht”, “spirituell erwünscht” und “spirituell unerwünscht”, Egogedanken, die “weg müssen” und heilige Gedanken, die wir “haben sollten”.

Und schon sind wir dabei, uns selbst ändern zu wollen, uns vorzuwerfen, wenn wir abweichen und uns wegen unserer scheinbaren Mängel und Schwächen unwürdig vorzukommen.
Und genau daran können wir die Falle erkennen: Wir fühlen uns nicht mehr wohl, nicht im Frieden!

Natürlich hat sich da dann auch wieder das Konzept eingeschlichen, dass wir uns das Erwachen und die Liebe Gottes irgendwie “verdienen” müssten – indem wir das Richtige denken, die richtigen Gefühle haben und brav unserem spirituellen Weg folgen.

Damit sind wir dann im genauen Gegenteil dessen gelandet sind, wie wir wirklich erwachen und zur Liebe finden, denn wie oben schon gesagt, passiert dies durch das Annehmen dessen, was ist. Dazu gehört auch das Annehmen unserer scheinbaren Unvollkommenheiten.
Wir möchten zur Liebe erwachen – doch können wir uns selbst so lieben, wie wir sind???
Wie wir jetzt sind? Mit “negativen” Gefühlen, mit urteilenden Gedanken, mit menschlichen Schwächen?

Ich sage damit nicht, dass es egal ist, was man denkt und fühlt und wie man sich verhält. Nein, es ist wichtig, sich immer wieder innerlich neu auszurichten.
Aber dabei dürfen wir nicht in einen Kampf gegen uns selbst verfallen, denn dadurch stellen wir uns selbst ein Bein.

Probieren wir es mal aus – wie wäre es, zu sagen:
“Ja, ich urteile noch. Ja, ich habe keine Lust, 24 Stunden am Tag an Gott zu denken. Ich will auch mal fernsehen oder shoppen gehen. Ja, ich habe noch Wut, Ärger und Hass in mir. Das darf alles sein.”
Wie fühlt sich das an?

Und wie fühlt es sich stattdessen an, sich selbst zu sagen:
“Ich muss mich jetzt voll und ganz für Gott entscheiden, Schluss mit allen negativen Gefühlen, weg mit den Urteilen, ich gebe ab jetzt 100%!!!”

Vielleicht ist das bei dir anders, doch für die meisten von uns erzeugt die erste Aussage Gefühle der Entspannung und Erleichterung, und eine Ahnung, geliebt zu sein. Bedingungslos. Egal, was ist! 🙂
Die zweite Aussage erzeugt eher Stress und ein Gefühl, eben nicht bedingungslos geliebt zu sein, sondern sich ändern zu müssen. Kampf gegen sich selbst eben.

Der Trick liegt darin, dass die Veränderung von alleine kommen wird. Wir können sie nicht erzwingen!
Wir können gewisse Gefühle und Gedanken nicht “wegentscheiden”, also mit dem Kopf beschließen, dass sie nie wiederkommen dürfen.

Wenn wir aber beschließen, uns selbst zu lieben, auch mit unseren “Unvollkommenheiten”, wenn wir unsere Augen für das Gute auch in dem scheinbar Schlechten öffnen, wenn wir immer wieder um Inspiration und die Korrektur unserer Wahrnehmung bitten, dann geschieht die Veränderung, und unsere Gefühle und Gedanken verändern sich wirklich.

Wie Ein Kurs in Wundern sagt, geht es darum, durch die Illusionen hindurch zu schauen und die göttliche Wahrheit hinter allem zu erkennen.
Das können wir nicht, solange wir den Illusionen den Kampf ansagen.

Für mich drückt sich diese Wahrheit auf wunderschöne Weise in dem berühmten Song der Beatles “Let it Be” aus:

“When I find myself in times of trouble,
mother Mary comes to me.
Speaking words of wisdom:
LET IT BE!”

(“Wenn ich Sorgen habe, kommt Mutter Maria zu mir und spricht Worte der Weisheit: NIMM ES AN, WIE ES IST!”)

Wir wünschen dir einen Tag des Annehmens,
des Aufgebens und der Liebe!

Halt, noch eine Sache: In wenigen Tagen (am 1. Mai) fängt unsere kostenlose Online-KURSkonferenz an!

Dort bekommst du:
Inspiration und Werkzeuge für die Heilung deiner Beziehungen
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über 20 berührende Interviews  zu “Ein Kurs in Wundern” und “Gewaltfreier Kommunikation”
– die Möglichkeit, eigene Anliegen zu bearbeiten in Live-Webinaren mit den Referenten
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Wenn du noch nicht angemeldet bist, dann mach das doch jetzt gleich! Es wäre ja schade, wenn du diese tolle Konferenz verpasst!

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Armin, Kendra, Kathrin und alle Referenten
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