Lester Levensons Erleuchtung

Dieser wundervolle, transformative und radikale Text kann entweder hier auf der Seite gelesen, oder unter diesem Link als PDF heruntergeladen werden:

http://www.agentur-innere-freiheit.de/wp-content/uploads/2017/12/Lester-Levensons-Erleuchtung.pdf

Lester Levensons Entdeckung in seinen eigenen Worten:

Wie wir haben, sein und tun können, was immer wir wollen oder wünschen

 

Der Anfang vom Ende

Am Ende der zwei Wochen kam Dr. Schultz zu seinem regulären Morgenbesuch. Nach der Untersuchung seines Patienten zog er einen Stuhl heran und setzte sich.

„Ich entlasse Sie heute. Ihr Zustand ist stabil und es gibt keinen Grund, Sie länger hier zu behalten. Das bedeutet nicht, dass es Ihnen gut geht. Weit gefehlt. Sie brauchen eine bestimmte Rekonvaleszenzzeit, wie auch Kontrolluntersuchungen in regelmäßigen Abständen. Aber Sie müssen nicht länger im Krankenhaus bleiben. Sie können zuhause mit Bettruhe und Medikamenten weitermachen.“

Der Doktor fuhr fort, das für zuhause vorgesehene Programm zu erklären: Ruhe, Medikamenteneinnahme und regelmäßige Arztbesuche. Weiter ging es mit Lesters Ernährung, seine sozialen Aktivitäten (keine) und sogar sein Sexualleben (auch keines). Lester war überrascht, aber fest entschlossen, den Anweisungen des Arztes zu folgen.

„Wie lange wird das so weitergehen?“, fragte er. „Wie lange muss ich mich noch so schonen? Ich weiß, dass Sie mir nichts Genaues sagen können, aber können Sie mir eine Idee geben? Er beobachtete den Arzt aufmerksam, während er auf eine Antwort wartete. Es erschien lange, bevor Dr. Schultz wieder sprach.

„Wie alt sind Sie, mein Sohn?“

Das war nicht das, was er erwartet hatte. Er fragte sich, was als nächstes kommen würde. Da war etwas in der Ausdrucksweise des Arztes, das er nicht mochte. „42“, antwortete er und wartete.

Dr. Schultz blickte aus dem Fenster, sein Gesicht ohne Ausdruck, als er in Gedanken versunken dasaß. Nach einem langen Moment, in dem sich keiner der beiden bewegte, nickte der Arzt einmal mit dem Kopf, eine scharfe, entscheidende Bewegung, die Lester erschreckte, und sprach abrupt und mit einer gewissen Endgültigkeit.

„Von jetzt an, fürchte ich.“

„Was meinen Sie damit, von jetzt an?“ Ein sehr unwohles Gefühl erhob sich aus Lesters Bauch in seinen Magen.

„Ich meine, dass Sie nicht erwarten können, von jetzt an ein normales Leben zu führen.“ Er fuhr schnell fort, als er Lesters schockierten Blick sah. „Sie hatten gerade einen sehr ernsten Herzinfarkt, Sie haben Glück, überhaupt noch am Leben zu sein.“

„Jeder andere wäre bei der Schwere dieser Attacke schon längst tot gewesen“, hielt der Arzt inne und räusperte sich: „Ich weiß, wie schwer es für Sie sein muss, das zu hören, aber ich versichere Ihnen, für mich ist es auch nicht angenehm.“ Er stand plötzlich auf und ging zum Fenster, sein Rücken war Lester zugewandt. „Ich wünschte, ich könnte etwas anderes sagen, ich wünschte, ich könnte Ihnen sagen, dass Sie in ein paar Monaten wieder zur Normalität zurückkehren können und Ihr Leben dort fortsetzen, wo es aufgehört hat“, hielt er inne und drehte sich leise zu Lester um, „aber das kann ich nicht. Beim besten Gewissen, das kann ich Ihnen nicht sagen. Und es tut mir leid.“

Lester war jetzt wütend. „Es tut Ihnen leid? Nun, mir auch! Wofür haben Sie mir das Lebe gerettet…? Damit ich für den Rest meiner Zeit ein Invalide sein kann? Was für ein verdammtes Leben geben Sie mir da überhaupt zurück?“

Lester geht nach Hause

An diesem Nachmittag kehrte er in sein Penthouse zurück wie in ein Grab. „Es ist ein Grab“, dachte er, „und ich bin ein toter Mann.“ Seine Schwestern wollten helfen und boten an, abwechselnd bei ihm zu bleiben und sich um ihn zu kümmern, aber er lehnte ab. Er wollte nur allein sein. Er ging zu Bett und schlief fast drei Tage am Stück. Nur gelegentlich wachte er auf, um zu essen, seine Medikamente zu nehmen oder das Badezimmer zu benutzen. Dann kroch er wie ein verwundetes Tier zurück in sein Loch.

Am vierten Tag änderte sich etwas. Nach dem Mittagessen saß er auf einem Stuhl und schaute aus dem Fenster auf den Central Park. Es lag Schnee, die Bäume funkelten und der Park sah aus wie ein Märchenland. Lester dachte daran, wie schön es war, und erkannte dann, dass er diese Schönheit überhaupt nicht genießen konnte. Er konnte nicht einmal auf Schönheit reagieren. Er war quasi ein Invalide, ohne Hoffnung, jemals zu genesen.

Er kehrte zu seinem Stuhl zurück und begann, die Situation zu überdenken und laut zu sich selbst zu sprechen: „Du atmest noch immer. Egal, was diese Ärzte oder irgendjemand anderes über die Prognose sagt, du atmest immer noch, und das ist, was zählt. Vielleicht gibt es doch noch Hoffnung.“

„Okay, wo fange ich an?“ Was hatte er doch sein ganzes Leben lang gekämpft. Nur ein wenig Glück, das war alles; und er hatte es nicht gefunden, nie und nimmer, in keiner Weise, die mehr als ein paar Minuten oder Stunden auf einmal dauerte. Vorübergehend… das ist es, was das Leben war… vorübergehend… flüchtig… ständig wechselnd… kaum glaubte man, es geschafft zu haben, alles unter Dach und Fach zu haben und sich entspannen zu können, da geschah schon das nächste und man war wieder da, wo man angefangen hatte… Worum zum Teufel ging es im Leben übrhaupt?

Worum ging es dabei? Was hatte er bisher hier auf diesem Planeten getan? Es machte für ihn keinen Sinn, dass er geboren wurde, alles durchmachte, was er in seinem Leben durchgemacht hatte, nie wirklich etwas von Bedeutung erreichte und am Ende mit nichts, absolut nichts außer einem sterbenden Körper zu enden, und schließlich würde sogar dieser zu Staub. All seine Besitztümer und Errungenschaften fühlten sich bedeutungslos und leer an. „Wie Staub“, dachte er.

„Asche zu Asche und Staub zu Staub…“

Lester musste über die Wahrheit in diesem dummen Spruch lachen. Das Leben schien so dumm. Aber er erkannte, dass er noch nicht aufgeben konnte. Es gab etwas, das in seinem Hinterkopf herumrührte… ein schwer fassbarer Gedanke, eine Antwort, wenn er nur wüsste, wo er hinschauen sollte. Nun, er hatte nichts außer Zeit, dachte er sich, und obwohl sein Körper halb tot war, hatte er immer noch seinen Verstand. Er konnte immer noch denken.

„Soll ich es versuchen?“, fragte er sich laut.

Einen Moment lang wankte Lester, dann entschied er mit einem Achselzucken: „Ach, was soll’s…. Ich habe nichts zu verlieren.“

Da das nun geklärt war, brauchte er nicht mehr darüber nachzudenken. Sein Verstand fühlte sich klarer an, als er es lange gewesen war, und zum ersten Mal seit seiner Krankheit fühlte sich Lester wirklich hungrig. Er ging in die Küche und machte sich eine richtige Mahlzeit zurecht. Noch immer sehr schwach ließ er sich Zeit und versuchte, nicht zu hetzen. Während er aß, war sein Verstand damit beschäftigt, neue Gedanken, Fragen und Ideen zu erforschen, wo er nach seiner Antwort suchen sollte. Das neue Projekt war spannend, und er fühlte sich wieder lebendig.

Durch das Essen gestärkt kehrte Lester zu seinem Stuhl am Fenster zurück. „Wo soll ich anfangen?“, fragte er sich: „Nun, zuerst, was sind denn die Fragen?“

„Was ist das Leben? Worum geht es hier eigentlich? Gibt es einen Grund dafür, dass ich hier in dieser Welt bin, und wenn ja, welcher?“

„Was ist das Leben? Was ist es, wonach ich gesucht habe?“

„Nur ein bisschen Glück, das ist alles“, antwortete er sich selbst. „Okay, was ist dann Glück? Wie bekommst du es? Wo findest du es?“

„Was ist das Leben? Worum geht es in dieser Welt, und in welcher Beziehung stehe ich dazu?“

„Wie bin ich in diesen Schlamassel geraten, in dem ich stecke?“

„Gibt es einen Ausweg aus diesem Schlamassel?“ Er kannte bereits die Antwort darauf. Abgesehen vom Sterben gab es keinen Ausweg, aber er dachte, wenn er nur die Antworten bekommen könnte, dann wüsste er wenigstens den Grund für sein Leben. Vielleicht ergab das alles einen Sinn, und das wäre ja schon etwas. Das müsste reichen.

Zuerst suchte er im Wörterbuch nach Definitionen von Glück und Leben. Sie sagten ihm nichts, was er nicht bereits wusste. Als nächstes ging er in seine Bibliothek, an die Bücher, die er im Laufe der Jahre gesammelt hatte. Da war Freud; könnte da irgendetwas Nützliches drin sein? Nein, er hatte die Freud‘sche Analyse jahrelang ausprobiert, und sie hatte nicht geholfen.

Er hatte jedes ins Englische übersetzte Buch Freuds gelesen und keine Antworten gefunden. Nein, Freud hatte keine Antworten für ihn. Er ging weiter zu anderen: Watson, Jung und Adler, auch nichts für ihn.

Dann waren da noch die Philosophen. Lester fing an, Bücher aus den Regalen zu nehmen und legte sie auf einen Stapel. Er hatte sie alle schon mehrfach gelesen, aber vielleicht hatte er etwas übersehen. Schließlich, so dachte er, hatte er damals keine konkreten Fragen gehabt.

Er nahm Bücher mit auf seinen Stuhl am Fenster und begann zu lesen. Er blätterte eins nach dem anderen durch und hielt an, um hier und da Absätze oder Seiten zu lesen.

Sein Kopf fing an, sich von lauter Informationen verstopft zu fühlen, und seine Gedanken drehten sich. Immer ungeduldiger ging er zurück an die Regale, um andere Bücher zu finden, über Medizin, Physik, Ingenieurwesen. Er hatte Bücher über alles, und sah sie die nächsten zwei Tage lang durch. Der Raum war ein Durcheinander; Bücher stapelten sich überall, einige lagen offen auf dem Boden, wo er sie in seiner Frustration hingeworfen hatte. Die einzigen, die noch in den Regalen standen, waren ein Witzebuch und einige Biographien, die ihm geschenkt worden waren.

„Wo soll ich als nächstes suchen? Du warst immer ein kluger Junge“, sagte er sich selbst. „Hast du nicht eines von nur drei Vollstipendien in Rutgers gewonnen?“

„Warst du in der Schule nicht immer auf der Ehrenliste? Und hast du nicht Tonnen von Zeug über den Menschen gelesen, von Technik und Physik über Psychiatrie und Philosophie bis hin zu Medizin?

Nun, wenn du so klug bist, was haben dir das Studium, das Wissen und all die Lektüre gebracht?“

„Migräne, Nierensteine, Geschwüre, Blinddarmentzündung, Schmerzen, Elend, Unglück, und schließlich einen Herzinfarkt, der dich eigentlich hätte erledigen sollen und es nicht getan hat. Was brauchst du noch, bevor du zur Besinnung kommst?“

„Für einen klugen Jungen, Lester, bist du ziemlich dumm, dumm, dumm, dumm! All dieses Wissen hat dir nichts gebracht. Und nun bist du auf der Suche nach mehr, nach mehr Büchern, die von jemand anderem geschrieben wurden, der die Antworten auch nicht gefunden hat.“

„Das war’s!“, sagte er zu sich selbst. „Ich bin fertig mit dem ganzen Mist.“

Mit dieser Entscheidung fühlte er, wie eine lebenslange Last von seinen Schultern genommen wurde. Plötzlich fühlte er sich leicht, fast schwindlig.

Er erkannte, dass er tatsächlich sein ganzes Leben lang nach den gleichen Antworten gesucht hatte, aber jetzt wusste er zweifellos, dass er sie bereits gefunden haben müsste, wenn sie an einem der herkömmlichen Orte zu finden wären. Er musste sich woanders umsehen. Und er wusste auch schon, wo.

Er würde all dieses nutzlose Wissen beiseitelegen, alles, was er gelernt hatte, außer Acht lassen, zurück ins Labor gehen und bei null anfangen. Die Probleme waren in ihm, argumentierte er. Es waren sein Körper, sein Geist, seine Emotionen.

Die Antworten müssten also auch in ihm sein. Das war sein Labor und dort würde er suchen. Diese Idee fühlte sich gut an.

Antworten beginnen zu kommen

Einen Monat lang fragte und sondierte er unerbittlich. Zuerst versuchte er, den Anweisungen des Arztes zu gehorchen, und verbrachte einen guten Teil des Tages damit, sich im Bett auszuruhen, aber er konnte sich nicht wirklich daran halten.

Sein Verstand war zu aktiv, und diese neue Forschung war die aufregendste Sache, die er je unternommen hatte. Er arbeitete daran genauso intensiv wie an anderen Projekten – durch Erprobung und Erfahrung. Er führte Selbstgespräche; zuerst stellte er eine Frage, dann erkundete er jede mögliche Antwort, bis er sie entweder bestätigen oder eliminieren konnte. Damit schaffte er seinen ersten großen Durchbruch und bekam die erste richtige Antwort.

Es war etwas einen Monat, nachdem Lester mit seiner Selbstsuche begonnen hatte. Gerade befasste er sich mit der Frage des Glücks. Einige Antworten hatte er schon eliminiert und fragte sich erneut: „Was ist Glück?

Die Antwort, die diesmal kam, lautete: „Glück ist, wenn man geliebt wird“, das schien einfach genug.

Er fuhr fort. „Okay, würdest du sagen, dass du jetzt glücklich bist? Fühlst du dich glücklich?“

Die Antwort lautete „Nein“.

„Okay,“ lautete das Fazit, „dann heißt das wohl, dass ich nicht geliebt werde!“

„Nun, das stimmt nicht ganz“, kam das Gegenargument. „Deine Familie liebt dich.“

Das brachte ihn zum Nachdenken. Er sah wieder die besorgten Gesichter, als er im Krankenhaus so krank gewesen war, erinnerte sich an die Freude in ihren Augen, als er nach jedem längeren Aufenthalt nach Hause kam, hörte die süße Stimme seiner Schwester Doris am Telefon: „Wie geht es dir, mein Lieber?“ Daran gab es keine Zweifel.

Und es gab auch Frauen. Lester konnte sich mehr als eine vorstellen, die ihn innerhalb einer Minute heiraten würde, wenn er fragte. Er wusste, dass es so war, weil sie ihn darum gebeten die jeweilige Beziehung abgebrochen hatten, als er sich weigerte.

Außerdem hatte er männliche Freunde, die ihn mochten. Es handelte sich dabei um Männer, die er sein ganzes Leben lang gekannt hatte, echte Freunde, die ihm bei allen möglichen Schwierigkeiten zur Seite gestanden hatten und noch regelmäßig anriefen, nur um Hallo zu sagen und zu sehen, wie es ihm ging. Sie genossen es, Zeit mit ihm zu verbringen. In dieser Hinsicht liebten sie ihn auch.

Es war ein Schock, dass Lester bei all dieser Liebe immer noch nicht glücklich war. Es wurde offensichtlich, dass die Liebe nicht die Antwort auf die Frage nach dem Glück war. Also verwarf Lester sie und versuchte es mit einem neuen Ansatz.

„Vielleicht liegt das Glück in dem, was man erreicht hat“, dachte er. Er erinnerte sich, als er das Rutgers-Stipendium gewonnen hatte, als Kelivinator sein Gehalt erhöht hatte, als er seine erste Wohnung bekam, als er den ersten Hitching Post eröffnete, als er den Coup in kanadischem Holz landete. Er war stolz auf sich gewesen, ja. Aber glücklich?

Nein, nicht das, was er glücklich nennen würde.

„Nun, dann“, fragte er sich, „war ich jemals glücklich und wenn ja, wann?“

Der erste Teil war einfach, natürlich war er manchmal glücklich. Aber wann genau? Er fing an, zu überlegen, und ihm fiel der Sommer vor Jahren ein, als er mit seinen Kumpels zelten war.

Damals war er glücklich gewesen. Nicht jede Minute natürlich, aber in welchen Momenten genau? Das erste, was Lester in den Sinn kam, war ein Bild von sich, wie er seinem Freund Sy half, sein Zelt aufzustellen.

Sy war am späten Nachmittag angekommen und eines seiner Zeltseile war gerissen. Lester hatte ihm geholfen. Beide lachten und freuten sich über ihre Freundschaft, fühlten sich gut mit sich selbst und miteinander. Damals war Lester glücklich gewesen. Er kicherte über die Erinnerung. Auch jetzt fühlte er sich noch gut, wenn er daran zurückdachte.

Lester forschte weiter, und das nächste, woran er sich erinnerte, war, wie er sich fühlte, als sein Freund Milton im College durchgebrannt war. Niemand sollte davon wissen, aber Milton hatte es seinem besten Freund Lester erzählt. Er war damals sehr glücklich gewesen; war das, weil er sich besonders fühlte, dass Milton ihm ein Geheimnis verraten hatte?

Nach reiflicher Überlegung sah Lester, dass dem nicht so war. Nein, es war der Ausdruck auf Miltons Gesicht, während er über seine wunderschöne Braut sprach und darüber, wie sehr er sie liebte. Die beiden wollten einfach nicht bis nach dem College warten.

Lester hatte einen Moment lang einen Anflug von Neid verspürt, aber dann das Gesicht seines vor Liebe strahlenden Freundes genau unter die Lupe genommen. Nun wusste er, dass er sich definitiv für Milton gefreut hatte. Er fühlte das Glück in sich, auch jetzt nach all den Jahren noch, als er mit geschlossenen Augen dasaß und die Szene in seinem Kopf betrachtete. Ja, er war damals glücklich gewesen.

Je mehr er die Vergangenheit Revue passieren ließ, desto schneller kamen ihm glückliche Zeiten ins Gedächtnis. Lester erinnerte sich an June und die Fahrt, um sie zu einer Verabredung abzuholen, sein Herz sang vor Liebe und er war ungeduldig, sie zu sehen. Damals war er glücklich gewesen.

Und da war Nettie. Gott, er hatte schon so lange nicht mehr an sie gedacht. Auch in diesem Augenblick wollte er nicht wirklich an sie denken – es lag so viel Schmerz in der Erinnerung, aber nun war sie schon da. Lester war sein ganzes Leben lang vor diesem Schmerz davongelaufen, und er war müde, müde vom Laufen. Es war das Ende der Fahnenstange, und er konnte einfach nicht mehr. So zwang Lester sich, die Sache zu betrachten und zu untersuchen.

Oh ja, er war glücklich mit Nettie gewesen. Erinnerungen schossen ihm durch den Kopf, Momente, in denen er sie so zärtlich in seinen Armen gehalten hatte, dass er sie direkt in sich aufnehmen wollte. Momente auf Partys, bei denen sie unerwartet ihre Blicke durch einen Raum schweifen ließen und von Liebe überflutet wurden. Er erinnerte sich an ihr Lächeln, an die Sonne, die auf ihren Haaren glitzerte, an den ernsten Blick auf ihrem Gesicht, als sie zusammen saßen, an ihren schwachen blumigen Geruch, an den Klang ihres Lachens, an ihre sanfte Stimme in der Nacht, „Ich liebe dich, Lester.“

Er lehnte sich zurück und ließ sich von den Bildern überfluten, ließ sich überschwemmen, ließ alles fließen, auch den lange zurückgehaltenen Schmerz. Sein Herz schmerzte, bis der sorgfältig errichtete, geschützte Damm brach. Zum ersten Mal weinte Lester über seine verlorene Liebe, seine Nettie, seinen Schatz. Die Trauer schien aus einem Abgrund von Schmerz und Einsamkeit zu kommen. Es dauerte stundenlang, und nachdem es vorbei war, fühlte er sich ausgelaugt und schwach. Als er endlich konnte, schlief Lester wie ein toter Mann.

Was ist Glück?

Am Morgen wachte Lester sehr früh auf und fühlte sich frisch und ausgeruht. Er lachte über seine Hartnäckigkeit, als er sich aus dem Bett zur Dusche rollte.

Während er das Frühstück zubereitete, gingen seine Gedanken weiter der Frage nach, die seinen Geist beherrschte.

Was war Glück? Was war der gemeinsame Nenner in all diesen Momenten? Sy, Milton, June, und Nettie… was war der gemeinsame Nenner? Irgendwie wusste er, dass die Sache mit Liebe zu tun hatte, aber er konnte zunächst noch nicht sehen, wie. Als die Antwort schließlich kam, war sie so einfach und rein und vollständig, dass Lester sich fragte, warum er sie noch nie zuvor gesehen hatte.

Er erkannte, dass in jedem dieser Fälle sein Gefühl der Liebe zu dem anderen Menschen intensiv gewesen war. Das Glück war von dort gekommen, von seinem eigenen Gefühl der Liebe.

Es war Lester jetzt so klar, dass die Antwort nicht war, geliebt zu werden. Er konnte sehen, dass er nicht glücklich sein würde, selbst wenn die Menschen ihn liebten, es sei denn, er würde im Gegenzug Liebe empfinden. Die Liebe der anderen würde sie selbst glücklich machen, aber nicht ihn, sie könnte es gar nicht. Lester war auf ein neues, unglaubliches Konzept gestoßen, und obwohl er instinktiv wusste, dass es richtig war, erlaubte es ihm seine alte wissenschaftliche Ausbildung nicht, dieses Konzept zu akzeptieren, ohne es zu testen.

Er sah deshalb wieder in seine Vergangenheit und erinnerte sich an jene Zeiten in seinem Leben, in denen er liebevoll und glücklich gewesen war, wobei er erkannte, dass der andere Mensch ihn damals nicht notwendigerweise auch geliebt haben musste.

Er betrachtete auch die andere Seite, die unglücklichen Zeiten, und nun, da er wusste, wonach er suchen musste, war es sehr offensichtlich, dass er in diesen Zeiten nicht geliebt hatte. Zwar hatte er damals gedacht, zu lieben, wie bei Nettie und June. Er liebte die Betreffenden, brauchte sie, wollte sie. Aber war dies überhaupt Liebe, fragte er sich jetzt.

Nein, es war schmerzhaft… es tat ihm weh, dass die anderen ihn nicht liebten. Und obwohl er es Liebe nannte, wollte er sie eigentlich vollständig besitzen und dachte, er bräuchte all ihre Liebe, um glücklich zu sein.

Das war der Schlüssel! Lester hatte einen Wunsch nach Liebe oder einen Mangel an Liebe erlebt und von der anderen Person erwartet, dass sie ihm die Liebe liefert und ihn glücklich macht. Er musste lachen, es erschien einfach lächerlich. Zu denken, dass jemand anderes ihn glücklich machen könnte, kam ihm wie der größte Witz der Welt vor. Er wusste besser als jeder andere, dass niemand ihm Gefühle machen konnte.

Lester war immer sehr stolz, stur und eigenständig gewesen, sicher, dass er nie jemanden oder irgendetwas brauchte. „Was für ein Witz!“, dachte er. Die Wahrheit war, dass er sich die ganze Zeit innerlich nach Liebe verzehrt hatte, in dem Glauben, er müsse sie von jemandem bekommen. Tränen rollten ihm über die Wangen, und Lester lachte über die Erkenntnis, dass das, wonach er sein ganzes Leben lang gesucht hatte, einfach in ihm war. Er war wie der zerstreute Professor gewesen, der überall nach der Brille gesucht hatte, die sich immer auf seinem Kopf befand.

„Was für eine Schande“, dachte er und wischte die Tränen weg. „Was für eine Schande, dass ich das nicht eher erkannt habe. Die ganze Zeit, all die Jahre vergeudet… was für eine Schande.“

„Aber Moment mal!“, dachte er. „Wenn Glück ist, dass ich Liebe für den anderen erlebe, dann bedeutet das, dass Glück ein Gefühl in mir ist.“

„Und wenn ich mich in der Vergangenheit lieblos gefühlt habe? Ich weiß zwar, dass ich die Vergangenheit nicht ändern kann, aber könnte ich vielleicht das Gefühl in mir selbst korrigieren? Könnte ich das Gefühl dahingehend ändern, jetzt zu lieben?“ Er entschied sich, es zu versuchen.

Er nahm sich die jüngste unglückliche Situation vor, den Tag, an dem er das Krankenhaus verlassen hatte.

„Also“, fragte er sich, „habe ich an diesem Tag einen Mangel an Liebe erlebt?“

„Ja,“ antwortete er laut. „Niemand hat sich um mich gekümmert, nicht die Krankenschwestern, nicht die Pfleger, nicht einmal Dr. Schultz. Es hat sie einfach nicht gekümmert. So krank ich auch war, sie haben mich rausgeworfen und zum Sterben nach Hause geschickt, damit sie nicht einen ihrer Fehlschläge vor Augen haben mussten…zum Teufel mit ihnen!“ Lester war schockiert über die Vehemenz seiner Stimme. Sein Körper zitterte vor Wut, und er fühlte sich schwach. Er hasste den Arzt wirklich, und konnte spüren, wie dieser Hass in seiner Brust brannte. „Oh Mann“, dachte er, „das ist keine Liebe.“

„Kann ich das ändern?“, fragte er sich. „Ist es möglich, daraus Liebe für den Arzt zu machen?“

„Zur Hölle, nein“, dachte er, „warum sollte ich? Was hat er getan, um Liebe zu verdienen?“

„Darum geht es nicht“, antwortete Lester sich selbst. „Es geht nicht darum, ob der Arzt die Liebe verdient. Der Punkt ist, kannst du es schaffen? Ist es möglich, ein Gefühl des Hasses einfach in ein Gefühl der Liebe zu verwandeln – nicht zum Wohle des anderen, sondern für dich selbst?“

Während ihm dieser Gedanke durch den Kopf ging, spürte er, wie etwas in seiner Brust sich löste. Eine sanfte Entspannung, ein Gefühl der Auflösung, und das Brennen war verschwunden. Zuerst traute er dem nicht. Es schien zu einfach, also stellte Lester sich die Szene mit Dr. Schultz im Krankenhaus noch einmal vor. Er war überrascht, als er feststellte, dass es nur ein leichtes Gefühl von Ärger mit sich brachte und nicht den vorhergehenden intensiven, brennenden Hass. Er fragte sich, ob er das Ergebnis wiederholen konnte.

„Mal sehen“, dachte er, „was habe ich gerade getan? Oh ja. Kann ich diesen Ärger in ein Gefühl der Liebe verwandeln?“, kicherte er, als er fühlte, wie sich der Ärger in seiner Brust auflöste. Dann war das Gefühl völlig weg, und Lester war glücklich. Er dachte wieder an Dr. Schultz, stellte ihn sich in seinem Kopf vor und fühlte sich glücklich, ja sogar liebevoll. Er sah nun, wie sehr der Arzt es gehasst hatte, ihm zu sagen, was er zu sagen hatte. Er konnte den Schmerz des Arztes darüber spüren, einem jungen Mann in der Blüte seines Lebens sagen zu müssen, dass sein Leben vorbei sei.

„Doktor Schultz, du Schlitzohr“, sagte er grinsend, „Ich liebe dich.“

„Nun, bei dem hat es geklappt“, dachte er. „Wenn meine Theorie stimmt, dann sollte sie in allen Fällen funktionieren.“

Eifrig begann Lester, es an anderen Momenten auszuprobieren, und das Ergebnis war durchweg dasselbe. Jedes Mal, wenn er sich fragte, ob er Feindseligkeit, Zorn oder Hass in Liebe umändern könne, fand der Auflösungsprozess statt. Teilweise musste er ihn immer und immer wieder wiederholen, bis er nur noch Liebe für die Person empfand.

Manchmal dauerte der gesamte Prozess nur ein oder zwei Minuten, manchmal benötigte es Stunden der Arbeit an einer bestimmten Person oder einem bestimmten Ereignis, bevor seine Gefühle nur noch liebevoll waren. Lester blieb hartnäckig bei der Sache, bis er mit jeder Person und jedem Vorfall abgeschlossen hatte.

Lesters gesamtes Leben wurde in kleinen Stücken zur Wiederholung aufgelegt. Er veränderte die ganzen alten Verletzungen und Enttäuschungen zu Liebe. Die Last seines Schmerzes ließ mehr und mehr nach, und Lester fing an, sich stärker zu fühlen. Er war glücklicher als je zuvor in seinem Leben. Lester hielt den Prozess in Gang und fühlte sich mit jeder neuen Sache, die korrigiert wurde, noch glücklicher.

Er hörte auf, ins Bett zu gehen, weil er so viel Energie hatte, dass er sich nicht hinlegen konnte. Wenn er sich müde fühlte, schlief er in seinem Stuhl ein und erwachte eine Stunde oder so später, um weiterzumachen. Es gab so viel in seinem Leben zu korrigieren, dass er nicht aufhören wollte, bis er unter jeden Stein und um jede Ecke geschaut hatte.

Wie weit kann er damit kommen?

Lester beschäftigte darüber hinaus die Frage, wie weit er die ganze Sache bringen konnte. Indem er alles korrigierte, wurde er glücklicher, er konnte es fühlen, doch wie weit konnte er damit gehen? Hatte das Glück eine Grenze? Bislang hatte er keine  gefunden, und das Potential der Übung war umwerfend. Also machte er weiter, rund um die Uhr.

Seine Kraft kehrte zurück, aber er wollte nicht abgelenkt werden, also vermied er soziale Aktivitäten und verzichtete manchmal sogar auf das sonntägliche Beisammensein mit seiner Familie. Seine Lebensmitteleinkäufe erledigte er mitten in der Nacht, gegen zwei oder drei Uhr morgens. Zu dieser Stunde waren nur sehr wenige Menschenauf den Beinen, und er genoss die Ruhe der Stadt. Lester korrigierte weiter sein Leben, auch wenn er diesen notwendigen Erledigungen nachging. Und er bemerkte, dass er seine Reaktion sofort oder kurz danach in Liebe verwandeln konnte, wenn ihn jemand in einem Geschäft oder auf der Straße verärgerte. Dies war angenehm, und er fühlte seine Liebe zu anderen in einer Intensität, die weit über das hinausging, was er je für möglich gehalten hatte.

Viele Jahre später beschrieb Lester es so: „Wenn ich unter Menschen war, und sie immer und immer wieder Dinge taten, die ich nicht mochte, und in mir ein Gefühl der Nicht-Liebe war, dann änderte ich diese Haltung sofort in eine Haltung der Liebe, auch wenn die anderen gegen mich waren. Irgendwann kam ich an einen Punkt, an dem ich, egal wie sehr jemand gegen mich war, ein Gefühl der Liebe für ihn aufrechterhalten konnte.“

Ungefähr einen Monat lang fuhr Lester fort, sein Leben zu korrigieren – mit konstanten Resultaten – bis er eines Tages mit etwas überfordert war.

Er arbeitete an dem letzten Mal, als er Nettie gesehen hatte, an dem Tag, an dem sie sich für einen anderen entschieden hatte. Er hatte schon viel von dem Schmerz in Bezug auf sie korrigiert, doch sie war ihm immer wieder in den Sinn gekommen, und das war nicht immer einfach gewesen. Tatsächlich war es anfangs sehr schwierig gewesen, an dieser alten Beziehung zu arbeiten, aber während er an Stärke gewann, war er fähig geworden, einige dieser lange verschütteten Gefühle ins Gesicht zu sehen und sie zu korrigieren.

An diesem besagten Tag herrschte jedoch immer noch ein Gefühl der Verzweiflung in Lester, das er nicht loswerden konnte, egal wie sehr er auch versuchte, es in Liebe zu korrigieren. Er wollte fliehen, aus dem Sessel aufstehen und rennen, etwas zu essen holen, alles tun, was ihn von seinem intensiven Gefühl befreien würde.

Stattdessen beschloss er, an Ort und Stelle sitzenzubleiben, bis er damit fertig war. Etwas sagte ihm, dass er, wenn er sich von diesem Gefühl herumschubsen ließ und diese Schlacht verlor, den Krieg verlieren würde. Lester blieb auf seinem Stuhl, entschlossen, die Sache auszusitzen.

Er forschte nach: „Was ist hier los? Warum löst es sich nicht auf? Nettie, oh, meine Nettie“, begann er jetzt zu weinen. Tränen strömten über seine Wangen und der gesamte Schmerz, den er an dem Tag, an dem sie sich trennte, eingesperrt hatte, kam nun als Flut über ihn.

„Warum hast du das getan, Nettie?“ rief er laut. „Warum hast du das getan? Warum hast du mich verlassen, mein Schatz? Wir hätten so glücklich sein können, wir hätten geheiratet und so glücklich sein können.“

„Verdammt“, dachte er, „warum tun Menschen so etwas? Sie werfen ihr Glück weg und das aller anderen auch. Sie haben kein Recht, das zu tun… das sollte nicht erlaubt sein… es sollte eine Möglichkeit geben, diese Menschen zu verändern… eine Möglichkeit, die Dinge, die sie tun, und die Wirkung, die sie auf die Menschen haben, zu verändern…“

Er spürte den alten Schmerz seiner Magengeschwüre zurückkehren. Diese Geschwüre, so war ihm nun klar, hatten am letzten Tag mit Nettie begonnen. Er hatte dieses eine Bier getrunken und sich übergeben; damit hatte es angefangen.

Lester wünschte, es wäre anders gewesen. Mehr als alles andere auf dieser Welt wollte er das Geschehene verändern. Er wollte zurückgehen und es wieder auf die andere Art und Weise leben, wobei Nettie ihn auswählte, ihn heiratete und sie für immer glücklich waren.

„Du kannst es nicht ändern, Dummkopf“, schrie er sich selbst an, „also kannst du genauso gut aufhören, es zu versuchen.“ Das rüttelte ihn auf. Er sah, dass er immer noch versuchte, etwas zu ändern, was seit mehr als zwanzig Jahren vorbei war.

„Nein, es kann nicht vorbei sein“, weinte er. „Ich lasse es nicht vorbei sein.“

Seine Kehle schmerzte jetzt und ihm war danach, zu schreien und Sachen zu zertrümmern.

Die Quelle seiner Qualen war, dass er den Lauf der Dinge all die Jahre hatte ändern wollen, und so hielt er das Erlebte in sich selbst am Leben, den Schmerz tief vergraben, sein Glück sabotierend.

„Okay, zum Teufel damit“, sagte Lester sich dann flapsig. Plötzlich, mit dieser Entscheidung, war das Ganze weg. Er konnte es nicht glauben. Er suchte noch einmal nach Schmerz, der Qual, der Verzweiflung, doch alles war verschwunden. Er erinnerte sich an Nettie, so jung, so schön, und er liebte sie einfach. Von dem alten schmerzhaften Gefühl war nichts übrig geblieben.

Er begann nun, in diese neue Richtung zu blicken. Lester wurde klar, dass die Ursache für seine Geschwüre darin bestanden hatte, dass er alles verändern wollte, von seinen Nächsten und Liebsten bis hin zum Rest der Welt: die Vereinigten Staaten, andere Länder, Regierungschefs, das Wetter, den Ausgang von Filmen, Geschäftspraktiken, die Steuern, die Armee, den Präsidenten. Es gab nichts, woran Lester denken konnte, dass er nicht auf die eine oder andere Weise hätte ändern wollen.

Was für eine Offenbarung! Alles, was er ändern wollte, unterwarf ihn und machte ein Opfer aus ihm! Lester fing an, auch diese Dinge aufzulösen. Wenn er an etwas dachte, das ihm Schmerzen über eine Person oder Situation verursachte, korrigierte er es jetzt entweder mit Liebe, oder er löste den Wunsch auf, es ändern zu wollen.

Dadurch erreichte seine Arbeit eine neue Dimension, und sein Fortschritt beschleunigte sich. Nach zwei Monaten war alles was er manchmal tun konnte, auf seinem Stuhl sitzen zu bleiben und zu arbeiten – er war so energiegeladen. Zu anderen Zeiten, in denen er an besonders schmerzhaften Ereignissen in seinem Leben arbeitete, konnte er vor lauter Energie nicht mehr sitzen bleiben und ging in die Stadt. Er lief dann meilenweit und überprüfte weiter Erinnerungen, korrigierte sie und löste sie auf, bis er genug Energie verbrannt hatte, um wieder stillzusitzen.

Manchmal fühlte Lester sich, als hätte er eine Kette mit vielen Gliedern von Vorfällen, die es zu korrigieren galt, in die Hand bekommen. Sobald er die Kette in der Hand hatte, folgte er einem Vorfall nach dem anderen, bis nichts mehr zu korrigieren war. Ein Beispiel für eine solche Kette war Eifersucht.

Er war schon immer sehr eifersüchtig gewesen, konnte es aber die meiste Zeit unter einer Fassade der Gleichgültigkeit verstecken. Trotzdem brannte sein Inneres, wenn das Mädchen, mit dem er zusammen war, jemand anderen ansah oder einen anderen Mann auch nur erwähnte. Als er sich entschied, diese Tendenz in sich selbst zu korrigieren, suchte er bewusst danach, anstatt darauf zu warten, bis sie von selbst hervorkam.

Er wollte sein Gedächtnis auf Fälle untersuchen, in denen ihn seine Eifersucht getrieben hatte, das Gefühl korrigieren, und dann nach mehr suchen. Als er dachte, die Eifersucht wäre ausgeräumt, testete er sich selbst, indem er sich vorstellte, wie das Mädchen, das er am meisten liebte, mit dem Mann Liebe machte, von dem er am wenigsten wollte, dass er mit ihr zusammen war. Es war ein guter Test, weil Lester sofort sehen konnte, ob es noch mehr Arbeit zu tun gab. Manchmal trieb ihn die Intensität seiner Gefühle beinahe in den Wahnsinn, aber er fuhr tagelang fort, bis kein Überbleibsel der Eifersucht mehr in ihm war. Als er schließlich die Freude der beiden aneinander genießen konnte, wusste er, dass er die Eifersucht hinter sich gelassen hatte.

Mit zunehmender Häufigkeit kamen Einsichten. Oftmals gewann er ein plötzliches, vollständiges Verständnis von etwas, das ihn schon immer verwirrt hatte. Die Philosophien, die er studiert hatte, wurden klar, und er konnte sehen, dass sie oft auf dem richtigen Weg begonnen hatten, nur um zu Verzerrungen zu werden, nachdem sie von einer falschen Idee abgelenkt worden waren, die aus dem eigenen Lagerhaus unkorrigierter Gefühle des Autors entsprungen waren.

Lesters Geist fing an, sich wie ein Kristall zu fühlen… klar, scharf. Farben schienen heller, und alles war schärfer definiert.

„Was ist Intelligenz?“

„Es gab eine gewisse größere Freiheit, die ich fühlte. Dadurch war es einfacher, sich zu konzentrieren, und ich begann, meinen Verstand genauer zu betrachten. Was ist mein Geist?“ fragte ich. „Was ist Intelligenz?“

„Plötzlich blitzte ein Bild von einer Autoscooterfahrt im Vergnügungspark auf. Kleine rundliche Autos haben im Heck einen flexiblen Mast, der oben mit einem über die Decke verteilten Drahtgitter verbunden ist. Die Energie für den Antrieb aller Autos kommt aus dieser einzigen Quelle, der Decke, und wird über den Mast am Heck in jedes Auto übertragen. Die Energiemenge wird von den einzelnen Fahrern über ein Pedal reguliert.

Das macht die Fahrt interessanter. Und der Lenkmechanismus ist so konstruiert, dass er überempfindlich ist.

Man muss also sehr sorgfältig lenken, um die Steuerung des Autos beizubehalten, weil die geringste Bewegung des Lenkrades zu Kontrollverlust führen kann und die Autos ständig ineinander stoßen. Und es scheint, dass die Aktion umso unberechenbarer wird, je mehr ein Fahrer versucht, sein Auto zu kontrollieren. Das war ein Bild der heutigen Menschheit. Wir alle benutzen dieselbe eine Intelligenz und Kraft, die wir von oben beziehen. Aber die meisten von uns sind außer Kontrolle und benutzen die Energie, um sich gegenseitig anzufahren.“

„Ich begann zu sehen, dass ich die Menge an Macht und Intelligenz für meinen eigenen Gebrauch regulieren konnte, und dass ich die Kontrolle darüber haben konnte. Das fand ich gut, also fing ich an, da tiefer zu graben.“

„Ich begann, das Denken und seine Beziehung zu dem, was geschah, zu untersuchen. Und ich sah, dass hinter allem, was passierte, ein Gedanke stand. Der Grund, warum ich die beiden nie zuvor miteinander in Verbindung gebracht hatte, war das Element der Zeit zwischen dem Gedanken und dem Geschehen.“

„Ich entdeckte, dass ich bei allem, was mir geschah, vorher einen Gedanken daran gehabt hatte, und dass ich, wenn ich dieses Konzept nutzen könnte, alles bewusst vorherbestimmen könnte, was mir passieren würde!“

„Darüber hinaus erkannte ich meine eigene Verantwortung für alles, was mir passiert war, während ich ja früher gedacht hatte, die Welt würde mich missbrauchen! Und ich sah, dass meine ungeheure Anstrengung, Geld zu verdienen, wie auch, es hinterher wieder zu verlieren, nur meinem Denken zu verdanken war. Ich hatte immer nach dem Glück gesucht und gedacht, dass Geld verdienen mich glücklich machen würde.

„Doch wenn das Geld mir nicht das Glück brachte, das ich mir wünschte, fing ich an, das Interesse daran zu verlieren, und die Sache brach zusammen. Ich hatte mein Scheitern immer anderen Menschen und Umständen zugeschrieben, ohne zu erkennen, dass mich einfach mein unterbewusstes Wissen, dass dies nicht glücklich machte, dazu brachte, das Interesse zu verlieren, und dies wiederum das Geschäft scheitern ließ.“

„Es gab mir ein ungeheures Ausmaß an Freiheit, zu wissen, dass ich kein Opfer dieser Welt bin, und dass es in meiner Macht liegt, die Welt so zu gestalten, wie ich sie haben will; dass ich sie nicht nur beeinflussen kann, sondern dass ich sie jetzt kontrollieren und so gestalten kann, wie ich es mir wünsche. Das war eine gewaltige Erkenntnis, die mit einem gewaltigen Gefühl von Freiheit einherging.“

„Als ich entdeckte, dass andere zu lieben mich glücklich machte und dass mein Denken die Ursache für die Dinge war, die mir im Leben widerfuhren, gab mir dies immer mehr Freiheit: Freiheit vom unbewussten Zwang, arbeiten zu müssen, Geld zu verdienen oder Freundinnen zu haben. Die Freiheit in dem Gefühl, nun in der Lage zu sein, mein Schicksal zu bestimmen und meine Welt zu kontrollieren, nahm mir so viel von meiner inneren Last, dass ich keine Notwendigkeit verspürte, irgendetwas zu tun.“

„Hinzu kam dieses wunderbare Glücksgefühl. Es war eine neue Erfahrung für mich. Ich erlebte eine Freude, von der ich nicht gewusst hatte, dass es sie gibt, und von der ich nicht einmal geträumt hätte. Also entschied ich: ,Das hier ist so genial, dass ich nicht aufhören werde, bis ich es ganz zu Ende gebracht habe.’ Dabei hatte ich keine Ahnung, wie weit die Sache gehen könnte. Ich hatte keine Ahnung, wie glücklich ein Mensch sein kann. Aber ich war entschlossen, es herauszufinden.“

Wie viel Freude war für ihn möglich?

Im dritten Monat beschleunigte sich der Prozess noch weiter. Es gab eine Tiefe in Lesters Gefühlen, die ihn manchmal zu überwältigen drohte. Er knickte manchmal fast ein, blieb aber bei jedem Gefühl, bis es korrigiert worden war.

Lester wurde immer glücklicher und glücklicher und suchte nach möglichen Grenzen für das, was er mit diesem neuen Prozess erreichen konnte. „Wie weit kann ich noch gehen?“, fragte er sich, und machte weiter und weiter.

In diesem dritten Monat traf er auf einen alten Widersacher, den er sein ganzes Leben lang immer wieder aus dem Augenwinkel gesehen hatte. Dieser Widersacher hatte sich immer in seiner Nähe herumgetrieben, doch Lester war nie zuvor bereit gewesen, sich ihm direkt zu stellen: der Angst vor dem Tod.

Nun erkannte Lester, dass diese Angst hinter jedem einzelnen Gefühl gesteckt hatte, das er jemals gehabt hatte. Er fing an, die Angst aus ihrem Versteck zu locken, um einen guten Blick auf diesen größten aller Feinde werfen zu können, der die Schlacht erst vor wenigen Monaten fast gewonnen hätte. Lester begann, die Angst ins Freie zu locken und dann aufzulösen. Und es funktionierte!

Er kam zu dem Punkt, an dem er voller Selbstvertrauen lachen und wieder lachen konnte über diesen Feind, der sein ganzes Leben lang ein Feuer unter ihm hatte brennen lassen, so dass Lester nie einen Moment wirklichen Friedens erlebt hatte.

Auch dieses letzte Ungeheuer entpuppte sich am Ende als nicht mehr als nur ein Gefühl.

Nachdem Lester die Angst vor dem Tod aufgelöst hatte, bemerkte er eines Tages, dass sein Körper gesund und geheilt war. Die physische Beeinträchtigung war behoben. Er konnte niemandem erklären, woher er es wusste, doch Lester wusste es so sicher, wie er wusste, wer er war. Sein Körper war gesund.

Bis zum Ende des dritten Monats hatte er einen glückseligen, freudigen Zustand erreicht. Er fühlte sich, als ob eine Million Orgasmen auf einmal durch seinen ganzen Körper strömten. Lester wurde klar, dass dieses Gefühl, obwohl nicht sexuell, das war, was er im Sex immer gesucht, aber nie gefunden hatte.

Er fühlte sich leicht und lebte wochenlang mit einer Freude, die jeden Augenblick in ihm explodierte. Jeder und alles kam ihm überaus schön vor. Er suchte ständig nach weiteren Korrekturmöglichkeiten in seinem Geist, aber es schien nicht mehr viel zu geben. Gelegentlich kam ihm etwas in den Sinn, aber es war fast schon weg, bevor er es definieren konnte, und die Freude durchdrang ihn noch stärker.

Nach einigen Wochen begann sich Lester zu fragen, ob es noch etwas Besseres jenseits dieser Freude geben konnte. Er war in seiner üblichen Haltung in seinem Sessel versunken, die Beine ausgestreckt, das Kinn berührte seine Brust. Er hatte den Gedanken fast beiläufig formuliert, ohne eine Antwort zu erwarten, aber die Antwort kam.

Was war jenseits dieses unglaublichen, fröhlichen Zustandes, der nicht aufhörte? Lester sah, dass es Frieden war, Unerschütterlichkeit. Und er erkannte mit Sicherheit, dass dieser Frieden ihn niemals, niemals wieder verlassen würde, wenn er ihn akzeptierte und sich entschied, in ihn hineinzutreten. Also ging er in diesen Frieden, er schlüpfte mühelos hinein, allein durch seine Entscheidung, den Frieden zu haben, war er da.

Alles war still. Lester befand sich in einer Stille, von der er nun wusste, dass sie schon immer da gewesen war, aber vom unaufhörlichen Lärm aus seiner akkumulierten, unkorrigierten Vergangenheit übertönt worden war. Tatsächlich war es mehr als still, die Stille ging so weit über alles Vorstellbare hinaus, dass es keine Worte gab, um ihre Köstlichkeit zu beschreiben.

Auch Lesters frühere Frage nach dem Glück wurde beantwortet. Es gab keine Grenzen des Glücks, aber wenn man es jede Minute hat, wird es ermüdend. Dann wartet auf der anderen Seite dieser Friede, und alles, was man tun muss, ist, in ihn hineinzutreten.

„Gibt es etwas, das darüber hinausgeht?“, fragte er sich noch, doch er wusste gleich die Antwort.

Dieser Friede war ewig und für immer, und er war die Essenz jedes Lebewesens. Es gab nur ein Wesen und alles war Es. Jeder Mensch war es, aber die Menschen waren sich dessen nicht bewusst, da sie von der unkorrigierten Vergangenheit, an der sie festhielten, geblendet wurden.

Lester sah dieses Wesen als etwas wie einen Kamm vor sich. Er befand sich am Rücken des Kammes, und alle Zähne fächerten sich daraus auf. Jeder Zahn dachte, er sei getrennt und anders als alle anderen Zähne. Und das war richtig, aber nur, wenn man es von der Zahnspitze aus betrachtete. Wenn man erst einmal am Rücken oder an der Quelle angelangt war, konnte man sehen, dass es nicht stimmte. Es gab nur einen einzigen Kamm. Es gab keine wirkliche Trennung, außer wenn man am Zahnende saß. Es lag alles in der Sicht des Betrachters.

Lester entdeckt übernatürliche Fähigkeiten

Wenn das wirklich wahr wäre, dachte Lester, dann könnte er sich ja in jeden beliebigen Punkt des Kammes hineinversetzen. Wenn er der gesamte Kamm war, dann konnte er sich in jeden Zahn hineinbegeben.

Lester dachte an einen Freund in Kalifornien und fragte sich, was er wohl gerade tue. Sofort erlebte er sich in dessen Wohnzimmer. Lester konnte den Raum sehen, die Menschen darin und seinen Freund, wie er mit ihnen sprach. Er nahm sein Telefon und rief seinen Freund an:

„Hallo, ich wollte dich nur kurz etwas fragen. Du bist gerade im Wohnzimmer, und außer dir sind noch drei andere da…“ Er fuhr fort, das Wohnzimmer zu beschreiben, die Menschen und worüber sie gerade gesprochen hatten.

Am anderen Ende der Leitung hörte er einen tiefen Atemzug. Lester fragte seinen Freund, ob seine Beschreibung zutreffend wäre. Sein Freund antwortete: „Ja, aber wie zum Teufel kannst du das wissen?“ Lester antwortete lachend: „Ich bin auch da. Kannst du mich nicht sehen?“

Es gab eine lange Pause. Lester fühlte Angst, und stellte überrascht fest, dass es die Angst seines Freundes war, die er wahrnahm. Es kam ihm vor, als wäre er direkt im anderen drin und würde dasselbe fühlen und denken wie er. Es war eine völlig neue Erfahrung für ihn, und plötzlich wurde ihm bewusst, dass er der andere war. Tatsächlich war er sogar jeder andere, da seine Essenz die Essenz von allem war.

Er saß am Rücken des Kammes, der das Universum ausmacht. Er hatte einen neuen Blickpunkt erreicht und konnte alles sehen.

Um seinem Freund die Angst zu nehmen, sagte er dann: „Komm, du willst mich doch auf den Arm nehmen, oder? Als ich dir die Leute beschrieben habe und was sie gesagt haben, da hast du doch nur gesagt, dass es stimmt, um dir einen Spaß zu erlauben, richtig? Es hat doch gar nicht gestimmt, oder?“

Lester konnte fühlen, wie die Panik nachließ, als sein Freund sagte: „Lester, du alter Gauner, willst du mir gerade sagen, du hättest dir das alles jetzt bloß ausgedacht?“ „Natürlich habe ich mir das ausgedacht. Glaubst du etwa, ich hätte eine Schraube locker?“ „Naja, du hast mich echt für einen Moment hereingelegt, weil alles, was du gesagt hast, richtig war!“ Sein Freund lachte nun.

„Echt? Was für ein irrer Zufall!“ sagte Lester. „Ich will dich nicht länger von deinen Freunden fernhalten. Ruf mich an, wenn du das nächste Mal in New York bist, dann gehen wir essen und lachen noch einmal eine Runde über die Geschichte.“

„In Ordnung, Les, wir sehen uns!“

Lester legte auf und ihm wurde klar, dass er Zukunft vorsichtiger sein musste. Er hatte ganz vergessen, in welchen engen Bahnen die Menschen denken, und dass sie nicht in der Lage sind, irgendetwas außerhalb des Normalen zu akzeptieren.

Plötzlich erinnerte sich Lester an sich selbst vor wenigen Monaten. Er hätte jeden für verrückt gehalten der versucht hätte, ihm so etwas zu sagen. Wie starr er damals gewesen war, wie verschlossen sein Geist gewesen war, wie begrenzt! Und jetzt… Er brüllte vor Lachen über die Veränderung.

„Als ich meine Suche begann, war ich ein überzeugter und absoluter Materialist. Das Einzige, was für mich real war, war das, was ich sehen, fühlen und berühren konnte. Meine Welt war so solide wie Beton. Als dann diese Offenbarungen zu mir kamen, dass die Welt nur ein Ergebnis meines Geistes war, dass die Materie keine Intelligenz besaß, und dass unsere Intelligenz und unser Denken alle Materie machte und über sie bestimmte; als ich sah, dass die Stabilität, die ich früher hatte, nur ein Gedanke war, begann mein schönes, solides Betonfundament zusammen zu brechen.

Was sich mein Leben lang in mir zementiert hatte, begann in sich einzustürzen und mein Körper wurde durchgeschüttelt. Es schüttelte mich tagelang. Ich zitterte wie ein nervöser alter Mann.“

„Ich wusste, dass der sachbezogene Blick, den ich auf die Welt hatte, nie wieder der gleiche sein würde. Aber er fiel einfach mal so weg. Tagelang schüttelte es mich – bis mich die ganze Sache wohl genügend erschüttert hatte.

Meine Sichtweise war dann das genaue Gegenteil von dem, was sie Monate zuvor gewesen war – dass die physische Welt nicht diese reale und solide Angelegenheit war, nicht einmal mein Verstand. Es war stattdessen etwas anderes, das viel größer war, das meine Essenz, mein Wesen selbst, die Wirklichkeit war, und dass es keine Grenzen hatte. Es war ewig, und all die Dinge, für die ich mich früher selbst gehalten hatte, wie mein Körper und mein Verstand, waren das Wenigste von mir, geschweige denn das Ganze. Das „Alles-von-mir“ machte meine ganze Wesenheit aus.“

Der letzte gewaltige Durchbruch

Es war April 1952, als er den letzten gewaltigen Durchbruch in diesen stillen Zustand hinein schaffte. „Kann es nur drei kurze Monate her sein, seit ich gestorben bin?“, fragte er sich. Es fiel ihm schwer, all das zu glauben, was ihm in so kurzer Zeit passiert war. Es schien, als wären eine Million Leben vergangen, und doch schien es nur wie ein Moment zu sein.

Sein Zeitgefühl hatte sich radikal verändert. Als er darüber nachdachte, erkannte er, dass es dort, wo er sich befand, in der Stille, keine Zeit gab. Da war ein ewiges Jetzt. Die Zeit war relativ und hatte nur in der Welt der Unterschiede und der Trennung eine Bedeutung. Dort, wo er war, war alles gleich, aus der gleichen Substanz zusammengesetzt, aus dem gleichen, unaussprechlich schönen, allmächtigen Frieden, der jedem Atom des Universums innewohnte.

Er war dieser Friede… sein Körper schien klein und distanziert auf einem Stuhl zu sitzen. Er konnte sich dort sehen, wenn er das wählte, aber er fühlte sich über das gesamte Universum verteilt; dieser Körper war nur ein winziger Fleck in der Weite, die er selbst war. Er war allgegenwärtig. Es gab keine Reise, nur einen Gedanken, und er war genau dort.

„Es war mir klar, dass ich nicht so sehr Körper und Verstand  war, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich sah es einfach, das ist alles. Es ist klar, wenn man es sieht.“

„Also ließ ich die Identifikation mit diesem Körper fallen. Und als ich das tat, sah ich, dass mein Wesen alles Wesenhafte war, dass das Wesen wie ein einziger großer Ozean ist. Es ist nicht in Teile getrennt, die man „Tropfen von Körpern“ nennt. Es ist alles ein Ozean.“

„Das veranlasste mich, mich mit jedem Wesen, jeder Person und sogar jedem Atom in diesem Universum zu identifizieren. Und das ist eine Erfahrung, die so gewaltig ist, dass sie unbeschreiblich ist. Zuerst siehst du, dass das Universum in dir ist, dann siehst du das Universum als du selbst. Dann kennst du die Einheit dieses Universums. Dann bist du für immer fertig mit der Trennung und all der Hölle, die nur durch die Trennung verursacht wird.“

„Dann kann man sich nicht mehr von den scheinbaren Begrenzungen der Welt zum Narren halten lassen. Man sieht sie als Traum, als Schein, denn du weißt, dass dein eigenes Wesen keine Grenzen kennt!“

„Es war eine sehr interessante Reise. Ich hatte nie gewusst, dass die Dinge, die ich erlebte, existierten. Ich hatte nie gewusst, dass es eine solche Kraft im Geist gibt. Aber ich sah, wie mein Verstand mich austricksen konnte, so dass ich eine Maxime aufstellte – ich weiß nur etwas, was ich es auch tun kann. Als ich mir die Frage stellte: „Was kann ich tun?“ war es jedes Mal ein Schock für mich (weil ich es nicht tun konnte). „Also experimentierte ich weiter, bis ich tun konnte, was immer es war.“

„Ich machte damit weiter und es eröffneten sich große Dinge. „Wenn ich so etwas bin, kann ich es dann tun?“, fragte ich. „Wenn ich allmächtig bin, welche Macht kann ich ausüben?“ Ich erlangte Fähigkeiten. Und ich bewies jede einzelne davon mindestens zwei Zeugen. Das liegt daran, dass ich eine Ausbildung zum Physiker habe. Man muss immer ins Labor gehen und es tun, um es zu beweisen, aber es ist eine gute Ausbildung.“

„Ich erzähle euch, was ich als Erstes getan habe. Es stand eine Tasse auf dem Tisch, und als jemand in den Raum kam, sagte ich: „Ich kann diese Tasse mit meinem Geist auf die andere Seite des Tisches bewegen – Ja oder Nein? Wenn sie Ja sagten, wurde sie sofort bewegt; wenn sie Nein sagten, blieb sie still stehen. Ich wollte mich anderen Leuten nicht aufdrängen. Wenn sie es nicht akzeptieren konnten, wollte ich sie nicht belästigen. Natürlich habe ich, nachdem ich anfangs nicht viel Erfahrung damit hatte, Fehler gemacht. Ich hatte sogar Leute, die von mir weggingen und nicht mit mir sprachen. „Ich lernte zu schweigen und nicht die Überzeugungen und Glaubenssätze der Menschen anzugreifen.“

Nachdem er zweifelsfrei bewiesen hatte, dass er tatsächlich die Kräfte erworben hatte, über die er sich lustig machte, sah er, dass sie dann eine Falle waren, wenn er versuchte, sie festzuhalten oder weiterzuentwickeln, um sich selbst und andere zum Staunen zu bringen oder zu amüsieren. Sie waren kein Selbstzweck, und so ließ er sie los und ging weiter.

Später gab es Gelegenheiten, bei denen jemand eine Demonstration brauchte, um seine eigenen Grenzen zu durchbrechen, und zu dieser Zeit geschahen ungewöhnliche Dinge. Aber Lester fühlte sich nie wie ihr Macher. Er war nur der Katalysator, ohne Ego-Beteiligung. Er erkannte auch die Quelle der Intelligenz. Er sah, dass es nur eine einzige Intelligenz gibt, und wir alle haben sie. Daher steht allen unbegrenztes Wissen, Allwissen, zur Verfügung. Und er sah, dass es dasselbe mit der Macht war; wir alle haben unbegrenzte Macht, Allmacht.

Allwissenheit und Allmacht sind in jedem von uns.

„Als ich über die Quelle der Intelligenz und Energie nachdachte, entdeckte ich, dass auch sie in unbegrenzter Menge zur Verfügung stand und dass sie einfach dadurch zustande kam, dass ich mich von all diesen früheren Zwängen, Hemmungen, Verstrickungen und Aufhängungen befreite.“

„Ich musste mich nichts unterwerfen. Dadurch konnte die Kraft, die direkt hinter meinem Geist stand, durchfließen, wie sie noch nie zuvor durchgeflossen war. Ich sah, dass ich vorher diese Energie und diese Kraft angestaut hatte, und alles, was ich tun musste, war, die Baumstämme des Damms zu lösen – und das tat ich. Mit jedem dieser Zusammenhänge die ich entdeckte, entfernte ich einen Baumstamm und ließ diesen unendlichen Fluss zu – genau wie der Fluss gehalten von einem Wasserdamm, der floß, wenn man die Baumstämme einzeln herauszog. Und je mehr Baumstämme man herauszieht, desto größer wird der Fluss, also brauchte ich nur noch die Baumstämme zu entfernen um die unendliche Energie und Kraft fließen zu lassen.“

„Es gab Zeiten, in denen ich die Erkenntnis hatte, was ich bin; das gab mir so viel Energie, dass ich von meinem Stuhl sprang. Dann ging ich direkt vor die Haustür und fing an zu laufen und zu laufen und zu gehen und zu gehen, stundenlang und manchmal tagelang! Ich hatte einfach das Gefühl, als ob mein Körper nicht so viel Energie aushalten könnte, sodass ich etwas davon ablaufen musste.“

„Ich erinnere mich, dass ich manchmal in den frühen Morgenstunden durch die Straßen von New York City lief, einfach nur in hohem Tempo lief und nichts anderes tun konnte.“

Als er diese Experimente beendet hatte, hatte er für sich selbst bewiesen, dass die Quelle aller objektiven physikalischen Phänomene der Geist war; dass der Geist keine Grenzen kennt, außer denen, die man sich selbst auferlegt; und dass dies für alles gilt, ohne Ausnahme. Inhärent hat jeder Mensch die Fähigkeit, zu haben, zu sein oder zu tun, was immer er will oder wünscht.

Die Erkenntnis der Allwissenheit und Allmacht eines jeden Geistes ist es, die ihn schließlich aus seinem Stuhl geholt hatte.

Er wollte mit anderen teilen, was er entdeckt hatte, wollte ihnen helfen, es für sich selbst zu entdecken. Er wollte, dass andere das unglaublich schöne, gewaltige Wesen kennenlernen, das jeder Einzelne von ihnen ist.

Lester teilt seine Entdeckung

Er ging zuerst zu denen, die bereits in diese Richtung zu schauen schienen, zu den metaphysischen Gruppen.

Als er in der Zeitung nachsah, fand er wöchentliche Treffen, in der die verschiedenen Gruppen in New York City aufgelistet waren, und begann, sie zu besuchen und Freundschaften zu schließen.

„Nach der dreimonatigen Periode besuchte ich eine metaphysische Gruppe, die nur zwei kurze Blocks entfernt war, die Gruppe von Dr. Schaefer. Als er mich das erste Mal zum Vortragen aufrief, sagte ich ihm, dass ich nicht sprechen wolle, also ließ er mich.“

„Und dann, nachdem er aufgehört hatte, mich zu fragen, wurde mir klar, dass es dumm war. Der einzige Grund, warum ich nicht sprach, war, dass die alten Tendenzen bestehen blieben, aber ihre Wirksamkeit war völlig weg. Die Zwanghaftigkeit war weg, und obwohl die Tendenz bestehen blieb, war sie wie ein verbranntes Seil. Wenn du versuchst, ein verbranntes Seil aufzuheben, fällt es einfach auseinander. Es sieht aus wie ein Seil, scheint ein Seil zu sein, aber es hat keine Kraft.“

„Als ich das erkannte, meldete ich mich freiwillig, um einen Vortrag zu halten. Das erste Mal in meinem Leben! Und dann stehe ich da, vor einer Gruppe von etwa sechzig Leuten. Als ich dort oben ankam, war ich überrascht, dass ich nicht nervös war. Ich schaute sie an, und sie mich. Und während ich sprach, hatte ich noch eine zweite Sache im Hintergrund: „Gee!“ dachte ich. „Das ist einfach. Ich wusste nicht, dass es so einfach ist!“ Und das war meine erste Erfahrung in meinem Leben, vor einer Gruppe zu stehen und zu reden.“

Lester fing auch an, Bücher über metaphysische Themen zu lesen und war erfreut festzustellen, dass die Dinge, die er erlebt hatte, auch von anderen erlebt worden waren. In der Tat gab es eine ganze Reihe verfügbarer Literatur zu diesem Thema. Bei seinen neuen Freunden stand er oft im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, denn sie hatten noch niemanden zuvor mit einer so tiefen persönlichen Erfahrung dessen, was sie für sich selbst suchten, getroffen. Sie fanden es sehr leicht mit zu sprechen und waren gespannt zu erfahren, wie er seinen persönlichen Friedenszustand erreicht hatte. Es war schwierig für ihn, den eigentlichen Prozess in Worte zu fassen, aber er fand heraus, dass er, wenn er mit Menschen auf einer zutiefst persönlichen Ebene sprach, das Richtige finden würde, um ihnen zu helfen, eine gewisse Erleichterung von ihren aufgestauten emotionalen Blockaden zu erreichen.

Lester macht eine Million Dollar

Das Wichtigste, worüber er in jenen Tagen sprach, war die innere Vollkommenheit der Wesenhaftigkeit jedes Einzelnen. Während er mit ihnen sprach, sah er in seinem Kopf die andere Person als vollkommen, allwissend, allmächtig an; eine Wahrnehmung, die die anderen ganz schön in Schwung brachte.

Aus seiner langjährigen Erfahrung in der Wirtschaft, wenn man ihn fragte, bot Lester gelegentlich eine Beratung auf praktischer Ebene an. 1953 kam ihm in den Sinn, dass er trotz all seiner Leistungen immer noch keine Million Dollar verdient hatte. Er hatte auch bemerkt, dass viele seiner neuen Freunde den Eindruck hatten, dass sie nur durch ihre Armut die Freiheit haben könnten, über die sie lasen.

Viele von ihnen hatten den ruhigen Zustand als einen Mangel interpretiert. Mahnungen wie „Lass los von deiner Anhaftung an die Dinge“ und „Dinge können dich nicht glücklich machen“ wurden falsch interpretiert, weil man angeblich Ehrgeiz, Geld, Wohlstand und Überfluss aufgeben musste, um innere Ruhe zu erlangen.

Lester wusste, dass dies nicht so war, dass es die Bindung an Geld und Dinge war, die die Unfreiheit schuf, und dass diese Bindung selbst nur ein Gefühl war. Er war sich auch aufgrund seiner eigenen Erfahrung sehr sicher, dass alle Gefühle korrigiert, losgelassen und aufgelöst werden konnten.

Also machte er sich auf, seine Million zu verdienen, um zu beweisen, dass man ohne die tödliche Bindung Dinge in der Welt haben und vollbringen kann und dass geistige Freiheit nicht gleichbedeutend mit Entbehrung ist. Im Gegenteil, es bedeutete die Fähigkeit zu haben, zu sein und alles zu tun. Aber nur darüber zu reden, war eine Sache.

Tatsächlich war der einzig wahre Weg, es zu beweisen. Er entschied sich, seinen Standpunkt mit Immobilien in New York City zu beweisen.

Im Jahr 1953 begann er mit dem Kauf von Mehrfamilienhäusern ohne eigenes Geld. Er würde sie entweder gewinnbringend laufen lassen oder sie für schnellen Gewinn verkaufen. Innerhalb von sechs Monaten hatte er weit über eine Million Dollar an Eigenkapital in Immobilien erworben.

„Ich begann im Immobiliengeschäft ohne Geld und kaufte Apartmenthäuser mit Hypotheken und Darlehen. Ohne Anstrengung erwarb ich dreiundzwanzig Apartmenthäuser mit jeweils zwanzig bis vierzig Einheiten. Ich fand, es war einfach, das zu tun.“

„Jedes Geschäft musste sehr harmonisch sein. Jeder, der dabei war, musste gewinnen. Wenn ein Makler involviert war, stellte ich sicher, dass er seine volle Provision bekam. Der Verkäufer profitierte davon, er bekam, was er wollte, indem er sein Gebäude verkaufte. Und wenn ein Anwalt beteiligt war, bekam er seinen Anteil. Jeder profitierte bei jedem Geschäft.“

„So sollten alle Geschäfte sein. Es gibt keinen Grund, dass irgendjemand leiden muss. Jeder sollte das bekommen, was er will. Jeder sollte profitieren.“

„Jeder Verkäufer will verkaufen. Jeder Käufer möchte kaufen. Ich fand heraus, dass Harmonie das Grundgesetz des Universums ist, und wenn wir mit ihm im Einklang sind, können wir die Dinge mit wenig Aufwand erledigen“.

„Was ist der nächste Schritt?“, fragte er sich. Er hatte bewiesen, dass er seine neue Theorie auf Geschäfte anwenden konnte, er hatte über eine Million Dollar; was blieb noch übrig, um sie zu beweisen?

Dann kam ihm in den Sinn, dass die Notwendigkeit, Reichtum anzuhäufen, keine Sicherheit war. Es könnte alles verloren gehen. Auch die Notwendigkeit der Anhäufung deutete auf einen Mangel an Überzeugung in der Fähigkeit hin, das zu produzieren, was man nach Belieben brauchte. Deshalb entschied er sich: „Von nun an habe ich alles, was ich brauche, so wie ich es brauche“ und testete noch eine weitere Theorie.

Lester testet seine Überfluss-Theorie

„Es war ein paar Tage vor Weihnachten, es war kalt, und ich wollte einen Kurzurlaub zwei Wochen in der Wärme machen. Los Angeles war am weitesten von New York City entfernt, also sagte ich: „Also gut, ich mache Urlaub in Los Angeles über die Weihnachts- und Neujahrsfeiertage.“

„Mit voller Zuversicht, dass alles in Ordnung ist, packte ich eine Tasche und lief aus dem Haus. Innerhalb eines Blocks stieß ich auf einen Mann, den ich seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hatte, der sagte: „Hey, Lester! Ich habe dich gesucht. Erinnerst du dich an das Geld, das ich dir schuldete? Ich wollte dich bezahlen. Ich wusste nicht, was mit dir passiert ist.“ Und er gab mir genug Bargeld, um ein Hin- und Rückflugticket nach Los Angeles zu kaufen, was ich auch tat, und los ging es.“

„Als ich nach Los Angeles kam, kam es mir in den Sinn, einen alten Freund anzurufen, der sagte: „Oh, ich bin so froh, dass du angerufen hast, Lester, wir haben gerade eine neue Wohnung bekommen, wir haben ein extra Zimmer und du musst bei uns übernachten. Wo bist du?“ Und sie holten mich ab.“

„Am nächsten Morgen war ich in der Küche und dachte: „Naja, meine Güte, hier bin ich in Los Angeles ohne Auto. Es ist unmöglich, ohne eines herumzukommen.“ Und ich sagte: „Okay, das ist erledigt,“ und ich ließ es los.“

„Der nächste Gedanke kam, „Ruf Burl an“. Er war ein alter Freund, mit dem ich einige Jahre zuvor von New York nach Los Angeles gefahren war. Ich rief Burl an und er sagte: „Ich habe an dich gedacht, Lester. Wo bist du? Ich will dich sehen und komme sofort rüber.“ Und er war in fünfzehn Minuten da.“

Wir tranken Kaffee am Küchentisch und ohne meine Bitte steckt er seine Hand in seine Tasche, nimmt seine Autoschlüssel heraus, schiebt sie über den Tisch zu mir und sagt: „Da hast du mein Auto, solange du hier bleibst. Ich brauche es nicht. Ich wohne in der Nähe des Studios und gehe zu Fuß zur Arbeit.“ Ich dankte ihm. Jetzt hatte ich alles, was ich brauchte.“

„Nach etwa zehn Tagen hatte ich das Gefühl, dass ich nach New York zurückkehren wollte. Es war ungefähr am 3. Januar. Ich rief die TWA an und sie sagten: „Oh, tut uns leid. Wir haben keine freien Plätze für die nächsten dreißig Tage, da alle Reservierungen in Anspruch genommen wurden. Und wir können Sie nicht einmal auf die Warteliste setzen, denn die Wartelisten sind voll mit jeweils dreißig oder mehr Personen.“

„Ich sagte nur: „Danke“, legte auf und sagte mir: „Nun, wer braucht schon eine Reservierung? Wenn ich gehen will, gehe ich!“ Am nächsten Morgen wachte ich auf und fragte mich: „Will ich gehen? Und ich sagte: „Ja, ich glaube, ich will gehen.“ Ich packte meine Tasche und kam gegen zehn Uhr zum Flughafen, fragte, wo die Flugzeuge nach New York abfliegen, ging zum Gate, und ein Mann belud ein Flugzeug nach New York. Ich fragte: „Gibt es keine No-Shows?“ Er sagte: „Ja, es gibt einen. Aber warten Sie, bis ich alle geladen habe. Bleiben Sie einfach hier stehen.“

„Während des Ladens stellte eine Frau die gleiche Frage. Er sagte: „Ich weiß nicht, Ma‘am, aber wenn Sie sich hinter diesen Mann stellen, werden wir es herausfinden.“ Und er stellte sie hinter mich. Er belud das Flugzeug, ging direkt auf mich zu, griff um mich herum, nahm diese Frau am Arm und setzte sie ins Flugzeug. Soweit es mich betraf, war alles zu 100% in Ordnung!“

„Er kam zu mir zurück und sein Kiefer fiel runter! Sein Mund klappte auf, als er erkannte, was er getan hatte. Also musste ich ihn beruhigen, anstatt dass er mich beruhigte. Und nachdem ich ihn beruhigt hatte, sagte ich: „Nun, wann geht denn Ihr nächstes Flugzeug?“ Er sagte: In etwa einer Stunde. Oh, da kommt es gerade rein.’„

„Nun, er hat mich dann in das Flugzeug gesetzt, das mich zwei Stunden früher als das andere nach New York brachte. Es war ein Nonstop-Flug, der erste, den ich jemals hatte. Damals machten sie in der Regel mindestens einen Stopp.“

„Nonstop-Flüge waren neu und selten. Das war in den Tagen der DC-6 und der Constellations; damals gab es noch keine Jets. Es war nicht leicht, Nonstop-Flüge über Land zu machen.“

„Dann erinnerte ich mich daran, dass, als ich aufgelegt hatte, sagte:“ Wer braucht eine Reservierung?“ Ich sagte auch: „Nicht nur das, ich habe auch meinen ersten Überland-Nonstop-Flug.“ Und das war der Grund dafür, dass er mich aus dem ersten Flug „rausgeworfen“ und in den nächsten gesetzt hat. Und so kam ich zurück nach New York, startete ohne Geld und kam ohne Geld zurück. Später bewies eine Weltreise erneut das gleiche Prinzip der Fülle: Ich habe alles, was ich brauche, so wie ich es brauche.

Lester weilt in der Wahrheit und teilt seine Entdeckung

Nach Lesters gewaltigem Durchbruch in den Frieden im Jahre 1952 verließ ihn dieses Bewusstsein der Wahrheit nie wieder.

Ob er nun ein Grundstücksgeschäft abschloss, seine Familie besuchte oder seine Erfahrungen mit anderen teilte, er war sich immer dessen bewusst und wohnte in seinem eigenen inneren Wesen des Friedens. Die Menschen liebten es, mit ihm zusammen zu sein, weil er sie so sah, wie er sich selbst sah: nur schön, allwissend, allmächtig, perfekt, ganz und gar friedlich. Diese kraftvolle Wahrnehmung projizierte sich auf jeden empfänglichen Menschen und aktivierte den inneren Kern, in dem jedermann auch all diese Dinge war. Viele Menschen machten in seiner Gegenwart Erfahrungen mit dieser Wahrheit von sich selbst, und sie waren begierig darauf, mehr davon zu bekommen und von seinen Erfahrungen zu hören.

Er war immer froh, alles mit anderen zu teilen und begann, Vorträge über das zu halten, was er getan hatte. Anfangs gab es keine besondere Anstrengung oder Werbung in dieser Richtung, aber durch Mundpropaganda hörten die Leute von ihm und tauchten auf, wo immer er sich gerade befand. Oft fanden diese spontanen Zusammenkünfte bei einem Kaffee in einer Cafeteria in der West 57th Street in New York statt.

Auch gab es Gelegenheiten, bei denen er von Küste zu Küste fuhr und bei Zwischenstopps auf dem Weg fing er an, mit jemandem zu reden, der dann ganz begeistert Freunde anrief, die ihre Freunde anriefen. Bald gab es hundert oder mehr Leute, die daran interessiert waren, ihn zu hören. Dann blieb Lester mehrere Tage, die Gruppe mietete einen großen Konferenzraum im Hotel und zum Zeitpunkt seines Vortrags waren oft tausend oder mehr Leute anwesend.

Er erhob nie eine Gebühr für seine Arbeit, und er hätte auch kein Geld angenommen, wenn die Leute es ihm angeboten hätten. Er wusste, dass er alles hatte, was er brauchte, wie er es brauchte, er hatte das mehr als einmal bewiesen, und seine Immobilienprojekte waren weiterhin profitabel. Es gab keine Notwendigkeit für etwas anderes.

Nach 22 Jahren, in denen er seine Belehrungen umsonst gab, erkannte Lester jedoch, dass sie nicht so ernst genommen wurden, wie sie es hätten werden sollen. Sie hatten nicht nur nicht die Wirkung, von der er wusste, dass sie sie haben könnten. Er erkannte, wie Freud, dass „Meine Patienten in dem Maße gesund zu werden scheinen, wie sie dafür bezahlen“, und dass die Menschen oft nicht wirklich schätzen, was sie umsonst erhalten. Lester fing an, für seine Lehren ein Kursformat zu berechnen, und das Wachstum seiner Schüler nahm enorm zu. Von da an sorgte er dafür, dass jeder für die Belehrungen bezahlte, so dass sie sie wertschätzen, mehr nutzen und so das Beste aus ihnen herausholen konnten.

1958 kam es ihm in den Sinn, nach Kalifornien zu ziehen. Er gab seine New Yorker Wohnung auf, kaufte sich einen neuen Chrysler und einen großen Wohnwagen und machte sich auf den Weg nach Westen. Sein ursprüngliches Ziel war San Diego, aber während er durch Arizona fuhr, sah er einen Wegweiser für Sedona und seine innere Stimme sagte: „Geh dahin.

„Warum?“, fragte er sich.

„Geh einfach,“ antwortete seine innere Stimme, „und du wirst sehen.“

Als er in die ruhige Wild-West-Stadt fuhr, die inmitten hoch aufragender roter Felsen liegt, verstand er, warum er sich zu Sedona hingezogen fühlte. Die Schönheit und das Gefühl des Friedens waren so stark, dass er sich fühlte, als käme er nach Hause.

Er kontaktierte einen Immobilienmakler und erhielt eine abgelegene 65-Hektar-Ranch. Er kaufte das Grundstück gegen Bargeld und bezog ein altes Steinhaus, das der ursprüngliche Ranchbesitzer auf dem Grundstück gebaut hatte.

Es war sehr friedlich, völlig isoliert und auf allen Seiten von forstwirtschaftlichem Land umgeben. Der nächste Nachbar war eine Meile entfernt, mit Ausnahme einer Frau, die ein kleines Häuschen direkt im Eingangsbereich der Ranch besaß und bewohnte. Sie trafen sich gelegentlich, wenn beide spazieren gingen, und eines Tages erwähnte sie, wie einsam sie sich fühlte, so weit weg von der Stadt.

Während sie sich unterhielten, kam es Lester in den Sinn, dass sie vielleicht ihr Haus und ihr Grundstück gegen ein ähnliches Haus und Grundstück in der Stadt tauschen wollte. Als er es ihr vorschlug, war sie begeistert und nahm sein Angebot an, ein geeignetes Grundstück zu finden und darauf ein Haus nach ihren Vorgaben zu bauen.

Er machte dort die ganze Arbeit selbst. Er grub und goss das Fundament aus, errichtete die Wände, setzte das Dach auf, er machte alles. Es war der letzte Beweis für ihn, dass seine Gesundheit vollkommen wiederhergestellt war und dass er die Kraft, Energie und Ausdauer eines jungen Mannes zurückgewonnen hatte. Als das Haus fertig war, wurde getauscht. Er nannte seine Neuerwerbung das Cottage.

Jetzt war seine Ranch völlig isoliert, und er blieb dort die nächsten Jahre allein. Ein- bis zweimal im Monat machte er sich auf den Weg in die Stadt, um Vorräte zu holen, aber den Rest der Zeit war er allein auf der Ranch. Es war eine ganz andere Lebensweise als alles, was er je erlebt hatte, und er liebte es.

Seine Arbeit mit Menschen hörte jedoch nie ganz auf. Er fuhr gelegentlich die 110 Meilen nach Phoenix, um mehrere Tage oder eine Woche am Stück zu bleiben. In den 1960er Jahren investierte er auch in einige Apartmenthäuser in Phoenix.

Nach einigen Jahren begann er mehrmals im Jahr regelmäßige Reisen nach Kalifornien zu unternehmen, wo er eine Gruppe hatte, mit der er zusammenarbeitete. Und jedes Jahr ging er einmal nach New York.

Auch auf der Ranch, die er „Self Haven“ (Hafen des Selbst) nannte, wurde er besucht. 1961 kam der erste Mensch, ein Mann namens Doug Dean, für eine Weile in die Hütte (Cottage). Kurz nach Doug kamen drei Frauen. Im Laufe der Jahre kamen und gingen andere, und bis 1975 lebten immer einige Leute in der Hütte. Ein paar Frauen blieben mehrere Jahre, aber die meisten Menschen kamen so für ein paar Monate, um zur Ruhe zu kommen und sich zu regenerieren. Dann gingen sie, um ihr Leben in der Welt weiter zu leben.

Es war eine sehr friedliche Lebensweise und Lester war zufrieden. Das Kommen und Gehen – seines und das von anderen – war eher beiläufig und konnte die unermessliche Stille des inneren Zustandes, den er 1952 in sich selbst entdeckt hatte, nie gefährden oder stören. Er hätte für den Rest seines Lebens auf diesem Weg weitergehen können, wäre es nicht sein Wunsch gewesen, dass jeder diesen Zustand für sich selbst entdecken würde. Er fühlte seine Einheit mit allen und, wie er es beschrieb: „Ich wollte, dass der Rest von mir das entdeckte, was ich entdeckt hatte. Also begann ich nach einer Weile darüber nachzudenken, wie ich dieses Wissen an mehr Leute weitergeben kann.“

Ende.

 

Anm. der Übersetzer: Lester Levenson ist der Entwickler der „Sedona Methode“, die es inzwischen zu einiger Bekanntheit gebracht hat. Auffallend ist, dass die Sedona Methode (auch: „Release Technique“) nicht genau dem entspricht, was er hier, in dieser Geschichte erzählt, nämlich wie er erwacht ist… Daher interessieren wir uns mehr für die „Technik“ mit der er erwacht ist. J                                          AR & KG

Übersetzt ins Deutsche: Armin Rott und https://www.deepl.com/translator, Lektorat Kendra Gettel und Armin Rott – Agentur für Innere Freiheit www.agentur-innere-freiheit.de,  Email: armin@arminrott.de

Wir haben hierzu auch eine Meditation erstellt: https://soundcloud.com/armin-rott/konnte-dies-in-liebe-umgewandelt-werden

Englisches Original:

http://www.releasetechnique.com/websitetwentyfourteen/wp-content/themes/releasetechnique2014/downloads/lester-levenson-story.pdf