Prolog

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Auszug aus:

Das Ende des Todes

Autorin: Nouk Sanchez
Aus dem Amerikanischen von Kendra Gettel
Erscheinungsdatum: Herbst 2014

PROLOG: NOUK UND TOMAS

„Ganz egal wer oder was scheinbar zwischen uns kommt, lass uns einander niemals verlassen.“

Nach zwanzig Jahren, in denen wir die Prinzipien von Ein Kurs in Wundern studiert und angewendet hatten, hatten mein Seelenfreund Tomas Vieira und ich einen bemerkenswert wundersamen Zustand der Einheit in unserer Beziehung verwirklicht. Nachdem wir eine in hohem Maße dysfunktionale besondere Beziehung in eine vollkommen vergebene Heilige Beziehung umgewandelt hatten, genossen wir endlich in beachtlichem Umfang die Liebe, die uns vorher versagt geblieben war. Diese Art der LIEBE (groß geschrieben) konnte niemals durch irgendjemanden oder irgendetwas bedroht werden. Nicht einmal durch den Tod.

Während diese erstaunlich bewusste und unzerstörbare Liebe wuchs, entdeckten wir, dass sie sich in alle unsere Beziehungen ausdehnte und auch jeden und alles aus unserer Vergangenheit mit einschloss. Auslöser für diese wundererfüllte Transformation waren die zahlreichen und immer wiederkehrenden Vergebungsmöglichkeiten gewesen, die wir einander geboten hatten!

Wenn Sie Ein Kurs in Wundern kennen, dann wissen Sie, dass es sich dabei um einen Weg zum Erwachen aus dem Leiden handelt, der ausschließlich auf der Praxis der Vergebung beruht. Es geht dabei nicht um Vergebung im herkömmlichen Sinne, sondern eine Art Quantenvergebung – mit der Fähigkeit, alle Formen von Leiden vollkommen zu beseitigen. Während Vergebung dabei das Mittel ist, durch das wir von allen Formen von Unglück erwachen, spielt die Heilige Beziehung die Schlüsselrolle dabei, durch Wunder ganze Ewigkeiten an unnötigem Schmerz hinter uns zu lassen. Alles, was wir dazu brauchen, ist eine vollkommene vergebene Beziehung (oder zumindest die Bereitschaft dazu). Und so lernen wir, dass wahre Liebe tatsächlich unzerstörbar und ewig ist. Gleichzeitig erkennen wir, dass besondere Liebe (die Art von Liebe, welche die Welt als echte Liebe erachtet) das Gegenstück dazu darstellt.
Es gibt einen ganz einfachen Weg, zu erkennen, welche welche ist. Wenn wir eine Liebe erfahren, die sich verändern kann oder durch einen anderen Menschen bedroht werden kann, dann ist es keine Liebe. Sie mag als menschliche Liebe durchgehen, aber bleibt immer noch am entgegensetzten Ende der Skala wahrer Liebe. Und deshalb ist sie in Wahrheit auch nichts anderes als verschleierter Hass, egal wie sehr sie sich als wahre Liebe maskiert. Diese Art von besonderer, an Bedingungen geknüpfte Liebe ist, was die Welt endlos im Kreislauf von Geburt und Tod rotieren lässt. Besondere Liebe ist die Art von Liebe, die zu gebrochenen Herzen, Zerstörung und Trennung führt.

Heilung durch Wunder geschieht durch unsere Entschlossenheit, die Egoversion besonderer Liebe zu verlernen und die Vergebung als Ziel der Heiligen Beziehung anzunehmen. Fassen wir Mut! Unser Grad an Entschlossenheit zählt und nicht, wie oft wir beim Erreichen dieses Ziels gescheitert zu sein scheinen. Vergebung ist ein beständiger Prozess. Und die bleibende Wahrheit ist, dass es nur einen gibt, dem zu vergeben ist: Unser eigenes Selbst, und zwar für die Vorstellung, dass etwas anderes als Liebe existieren könnte.

Tomas und ich waren entschlossen, die Natur vollkommener Liebe zu entdecken. Unsere Beziehung wurde an einem milden Abend 1984 geboren. Als wir auf dem warmen Sand eines tropischen Strandes in Australien lagen, fühlten wir uns inspiriert, unser tief gehegten Vorsatz zum Ausdruck zu bringen, wahre, unzerstörbare Liebe zu erleben – eine echte, göttliche ewige Liebe, die niemals bedroht werden konnte. Eine Liebe, die über Persönliches hinausging. Und irgendwo tief in uns schienen wir zu wissen, dass dieser Prozess des Verlernens von besonderer Liebe uns tatsächlich zu der ewig unveränderlichen Liebe in uns führen würde.

In dieser wundervollen Nacht waren wir mit Gott als unserem Zeugen dazu inspiriert, ein tief greifendes, lebensveränderndes Versprechen abzugeben – dem wir auch über den scheinbaren Tod hinaus treu bleiben würden. Das Versprechen, das wir einander gaben, lautete: „Ganz egal wer oder was scheinbar zwischen uns kommt, lass uns einander niemals verlassen.“ Und als wir diese Worte einstimmig aussprachen, fühlten wir unseren mächtigen Entschluss im ganzen Universum widerhallen.
Tomas und ich lernten eine Menge über die Besessenheit des Egos mit Form anstelle von Inhalt. Ein Kurs in Wundern ist ein Weg, der die ganzen versteckten Orte aufdeckt, an denen das Ego wahre Liebe verschleiert, indem es sich unter Nichtbeachtung von Inhalt auf reine Form konzentriert. Da lieben wir zum Beispiel jemanden für das, was er tut (Form), anstatt dafür, wer er ist (Inhalt). Wenn derjenige dann aufhört, das zu tun, was wir wollen, oder anfängt, etwas zu tun, was uns nicht gefällt, ziehen wir unsere Liebe zurück. Besondere Liebe basiert auf der unausgesprochenen Annahme: Ich liebe dich, wenn du die Bedürfnisse meines Egos erfüllst. Und wenn du mich liebst, dann tust du, was ich will.
Das Problem ist, dass das Ego diese Bedingungen und Forderungen stellt, nicht das Heilige Selbst. Das ist dann keine wahre Liebe, sondern die fundamentlose Pseudoliebe des Egos. Und in Wirklichkeit stellt sie eine Form von Zerstörung und somit Trennung dar.

Während unserer sechsundzwanzig Jahre zusammen, kamen Tomas und ich uns näher, als wir uns je hätten vorstellen können. Um unsere Beziehung zu verwandeln, wurden wir dahin geführt, unsere Ehe (die Form) loszulassen, um unsere Beziehung (den Inhalt) zu retten. Dies war zu der Zeit eine tief inspirierte, persönlich für uns beide gedachte Führung, auch wenn eine solche Entscheidung für die meisten Menschen nicht nötig ist. Wir vertrauten beständig dem Heiligen Geist und ließen die bisherige Form und bisherigen Rollen unserer Beziehung los, bewahrten und nährten allerdings den Inhalt, was unsere Liebe erlaubte, exponentiell zu wachsen. Im Dezember 2009 erneutern wir unser Versprechen von 1984: „Ganz egal wer oder was scheinbar zwischen uns kommt, lass uns einander niemals verlassen.“

Tomas bekam Krebs und starb ein Jahr später, im Dezember 2010. Wundersamerweise ist unsere Kommunikation miteinander weiterhin intakt, obwohl sein Körper nicht länger anwesend ist. Es mag zwar seltsam klingen, aber Tomas und ich arbeiten bis heute weiterhin zusammen, und unsere Arbeit ist nun, da er von den ständigen Ablenkungen durch einen Körper frei ist, effizienter und wirkungsvoller als je zuvor.
Ich habe einen Körper, und er hat jetzt keinen mehr. Sein Sterben bot uns die Gelegenheit, eine weitere Veränderung in der Form unserer Beziehung zu erleben. Wir beide wussten, dass Tomas illusorische Formveränderung nicht unsere Entschlossenheit gefährden würde, gemeinsam die tiefergehenden Lehren von Jesus in Ein Kurs in Wundern zu ergründen. Genau genommen wussten wir, dass diese Formveränderung die größte aller bisherigen Möglichkeiten bot, indem sie den notwendigen Auslöser darstellte, um auf wundersame Weise unser Verständnis dessen zu vertiefen, was der Kurs darüber lehrt, ein Wunderwirkender zu werden.

Die fundamentale Botschaft dieser tiefergehenden Lehren lautet: Es gibt keinen Tod, und deshalb gibt es keine Trennung. Und genausowenig gibt es in Wahrheit irgendeine Art von Unglück, Mangel, Konflikt oder Leiden. Sie alle rühren nur von unserem Glauben an sie her. Wie wir herausgefunden haben, stammt unser Glauben an diese Dinge sowohl von einer tiefen, unbewussten Angst vor Liebe, als auch von einer gleichermaßen innigen Liebe zur Angst.
Es könnte in keiner Weise irgendein Leiden geben, wenn wir nicht zutiefst Gottes Liebe fürchten würden. Diese Angst ist sehr tief im Unbewussten vergraben, und doch ist sie die treibende Kraft hinter unseren Überzeugungen, Motivationen und Werten genauso wie hinter unseren weltlichen Erfahrungen. Seitdem Tomas gegangen ist, habe ich in großem Maße Klarheit und Verständnis erhalten. Ich sehe nun, wir wir unsere tief verborgene Angst vor Gott erkennen und ans Licht bringen können, um sie ein für alle Mal aufzulösen. Nur dann können wir Gottes Liebe mit ganzem Herzen vertrauen und uns des Gefühls tiefer und unerschütterbarer göttlicher Sicherheit und Liebe erfreuen.
Tomas und ich brauchten zwanzig Jahre, um unsere unbewusste Angst vor Gottes Liebe zu erkennen und ans Licht zu bringen. Aber für Sie muss es nicht so lange dauern! Wenn Sie wirklich genug gelitten haben und bereit sind, diesen Weg zu gehen, kann Ihre Erfahrung viel schneller und freudiger ablaufen als unsere.

Jesu Botschaft der Transformation verkündet einen universellen Wandel riesigen Ausmaßes. Sie beinhaltet die völlige Umkehrung des Denksystems sowie der Überzeugungen, Gesetze und Werte der Welt. Letztlich hängt diese Umkehrung und Transformation von Leiden in Freude von unsere bereitwilligen Aufgabe des Idols ab, das vom Ego am meisten geschätzt wird. Im Mittelpunkt des Egokerns dreht sich alles um nur einen wesentlichen Traum, und dieser stellt ebenjene Grundlage dar, die dafür verantwortlich ist, die gesamte Herrschaft des Egos zu nähren und aufrechtzuerhalten: Die Illusion des Todes selbst.

Solange die Anziehungskraft des Todes auf uns unbewusst bleibt, wird der Tod in seinen zahlreichen Erscheinungen weiterhin geführchtet und für wahr gehalten werden. Aber schlicht gesagt: Wenn der Tod wahr ist, gibt es keinen Gott. Wenn wir in an den Tod in irgendeiner Form glauben, wählen wir unbewusst die Angst vor Gott – was heißt, dass wir die Liebe fürchten. Tod und Gott schließen sich gegenseitig aus. Tod und Gott können nicht nebeneinander existieren. Ich habe erkennen können, dass sowohl Schmerzen und Mangel als auch Konflikte gleichermaßen illusorische Erscheinungen des Todes sind. Solange diese in unserer Wahrnehmung als Bedrohungen von außen auftauchen, gegen die wir uns verteidigen müssen, können wir Gottes Liebe nicht erfahren. Und während wir weiter am Glauben an ihre Echtheit festhalten, enthalten wir uns selbst die Freude vor, die darin liegt, zu lernen, dass wir der lebendige Ausdruck von Gottes mächtigem und alles liebenden Willen hier auf der Erde sind.
„Der Tod ist fürwahr der Tod Gottes, wenn ER LIEBE ist.“ H-27.5:5 „Wenn der Tod für irgendetwas wirklich ist, gibt es kein Leben. Der Tod leugnet das Leben. Doch wenn es Wirklichkeit im Leben gibt, dann wird der Tod geleugnet. Hierin ist kein Kompromiss möglich.“ H-27.4.2-5

In diesem Buch geht es nicht um die Unsterblichkeit des Körpers. Nur das Ego würde sich auf die Idee fixieren, auf ewig an der begrenzten Form eines Körpers festzuhalten. Hier geht es darum, unsere Einheit in Gottes Liebe zurückzufordern und dabei unser eines Heiliges Selbst zu erkennnen und zu verkörpern. Wir sind aufgerufen, Jesu Botschaft zu folgen, und zwar nicht nach dem Tod (wie das Ego lehrt), sondern genau hier und jetzt, während wir das Leben in einem Körper erfahren. In der Bibel verspricht uns Jesus: „Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die ich tue, und wird größere als diese tun; denn ich gehe zum Vater.“
(Johannes 14:12, Lutherbibel 1912)

Nach vielen Jahren, in denen ich die im Kurs gelehrten Grundsätze der Vergebung gelebt habe, erkenne ich endlich die holographische Natur und endlose Tiefe von Jesu Botschaft. Wir lesen die Kurs vielleicht viele Male, und jedes Mal sehen wir etwas in ihm, was wir davor nicht bemerkt oder nicht verstanden hatten. In meinem Fall wurde die Botschaft nach und nach empfangen. Ihre vielen, tieferen Schichten haben sich mir in direktem Verhältnis zu dem Maß an Vertrauen enthüllt, das ich bereit war auf die Liebe zu setzen, während ich lernte, die Angst aufzugeben. Es war ein kontinuierlicher Prozess, der noch andauert.

Sechzehn Jahre vor der Entstehung dieses Buches lasen Tomas und ich im Kurs viele Passagen über die Unwirklichkeit von Krankheit und Tod. Die Passagen waren untereinander stimmig. Damals konnten wir dieses Konzept allerdings einfach nicht fassen, weil uns diese Erscheinungen immer noch sehr real erschienen. Und als Ergebnis waren wir nicht in der Lage, diese Lehren umfassend und in praktischer Weise in unser Leben zu integrieren. Für uns waren Entbehrungen, Leiden, Krankheit und Tod mindestens so real wie Gott. Wir versuchten, diese sich widersprechenden Realitäten miteinander zu verbinden, so wie jeder. Wir versuchten, die vielen scheußlichen Ereignisse in unseren Leben zu rechtfertigen, indem wir uns einredeten, dass Gott Regie führte und uns Lektionen als Lerngelegenheiten präsentierte.

Wir glaubten nicht, dass wir es wert waren, die wirkliche Wahrheit anzunehmen: dass Leiden für Gott (unser Heiliges Selbst) ein Fremdwort ist – es immer war und immer sein wird. Allumfassende Liebe ist genau das: allumfassend, ohne Gegenteil. Sie bringt uns vollkommene Freude und vollkommenen Frieden in unendlich vielen Ausdrucksformen. Tomas und ich mussten den Glaubenssatz, dass wir durch Leiden lernen müssen, in aller Tiefe in Frage stellen, weil Gottes Wille niemals Leiden bringt. Das tut nur das Ego. Leiden hat nichts mit Gottes Liebe zu tun, aber dafür alles mit der Form von „Gott“, die das Ego projiziert. Jesus fasst hier gut zusammen, wie Tomas und ich uns fühlten, bevor wir uns umfassend auf Vertrauen einließen.

„Höre auf das, was das Ego sagt, und sieh, was es dich zu sehen anweist, so wirst du dich mit Sicherheit als winzig, ängstlich und verletzlich sehen. Du wirst Depression und ein Empfinden der Wertlosigkeit sowie Gefühle der Vergänglichkeit und Unwirklichkeit verspüren. Du wirst glauben, dass du eine hilfose Beute bist von Kräften, die weit jenseits deiner eigenen Kontrolle liegen und weitaus mächtiger als du sind. Und dur wirst denken, dass die Welt, die du gemacht hast, dein Geschickt lenkt.“  T-21.V.2:3-6
Als das Glaubenssystem des Egos langsam wegfiel, konnten wir allmählich würdigen, dass jedes Leiden durch unsere falsche Identität verursacht wird, unsere Identifizierung mit dem persönlichen Selbst. Dieses Selbst ist voll und ganz eine Fabrikation des Egos; ein Wille, der in keinster Weise mit Liebe zu tun hat.

Wir (das Heilige Selbst) sind genauso mächtig wie der Christus, weil wir Ausdrucksformen von Gottes Willen sind. Das Heilige Selbst ist der Christus. Wir alle haben Anteil an seiner überwältigenden und grenzenlosen Gnade. Bis vor Kurzem hätte ich diesen Wahrheit niemals annehmen können, weil ich viel zu viel Angst davor hatte, die Egointerpretation vom Selbst als Opfer aufzugeben. Dieses Bild von meinem Selbst als klein loszulassen, hätte bedeutet, die ganze Welt, so wie ich sie kannte, aufzugeben. Ich ahnte gar nicht, dass das einzige, was wir je verlieren, wenn wir das Ego gehen lassen, die Fähigkeit zu leiden ist. Dieser „Preis“ dafür, um ein Wunderwirkender zu werden, schien mir aber damals zu hoch.

Aufgrund unserer extremen, unbewussten Angst vor Gottes Liebe wagen wir nicht, ernsthaft die Möglichkeit in Erwägung zu ziehen, dass unser Geist unbegrenzte Macht hat. Tatsächlich hat unser Geist hat so viel Macht, dass wir Form von jemals erzeugtem Leiden auflösen können und werden, sobald für uns dafür entscheiden. Jedes scheinbar wahre Egogesetz (wie Krankheit, Konflikt, Entbehrung und Tod), das wir lernen, in Frage zu stellen, wird am Ende als Antwort auf unsere verkörperte Macht in Christi Liebe zu nichts verpuffen. Dies kann niemals durch rein intellektuelle Anstrengungen erreicht werden, sondern durch die sorgfältige Begutachtung und Auflösung von allem, auf das wir bisher unser Vertrauen gesetzt haben. Dieses Auflösen ist Vergebung in Aktion.

Seit Tomas’ Gehen bin ich fast ständig mit ihm in Kommunikation gewesen. Ich habe gelernt, dass jede Form von Trauer oder Kummer die Kommunikation abschneidet, weil sie die Idee vom Tod als etwas Trennendem wahr macht. Die Wunder, die Freude und der Frieden, die mein Leben durchdrungen haben, sind Zeugen dafür, dass es keinen Tod gibt. Tomas und ich haben uns die Aufgabe gestellt, diesen tiefgreifenden Paradigmenwechsel vom Tod zum Leben ins Sein zu bringen. Es geht um den Umsturz des morbiden Traums vom Tod und die Ankündigung eines außerordentlichen Traums von Leben, Heilung und Liebe. Diesen nennt Jesus die wahre Welt oder auch den glücklichen Traum. Wir alle werden irgendwann einmal dort ankommen.

Tomas erwacht

Tomas war schon einige Zeit vor Verlassen des Körpers erwacht. Zur Zeit seines Gehens gab es keinen „individuellen“, persönlichen Tomas mehr. Wie hat sich dies auf Ebene der Form gezeigt? Er war beständig offen, liebevoll und voller Freude, ungeachtet dessen, welche Erscheinung sein Körper annahm oder in welchem Zustand er zu sein schien. Es war ohnehin nicht sein Körper, und er wusste das.
Er hatte sich entschieden, die Illusion des Krebses als Beschleuniger für sein Erwachen zu nutzen. Er entschied sich dafür, in jeder Situation dem Frieden Priorität einzuräumen – vor allem anderen. Er ludt den Heiligen Geist ein, ihm zu helfen, alles zu reinterpretieren, was das Ego gemacht hatte – auch Krankheit – und es als Mittel zu nutzen, im Traum zu erwachen. Er versuchte nicht, aus Angst sein Leben zu retten. Wovor sollte er auch sein Leben retten, wenn Gottes Liebe alles ist, was es gibt?

Dies mag wie eine extreme Art des Lernens aussehen, aber seine Entscheidung, hinter alle Erscheinungen zu sehen, die nicht Liebe sind, war eine Einladung ans sofortige Erwachen. Viele von uns sagen, wir möchten vom Leiden erwachen, aber wir räumen dem Frieden nicht konsequent oberste Priorität ein. Jeden Tag führen so viele weltliche Prioritäten unsere Liste von Zielen an, und in achtsamer Weise zu entscheiden, Frieden wahrzunehmen, ist normalerweise nur unser letzter verzweifelter Versuch, ein Problem zu lösen. Wir würden viel lieber eine Veränderung außerhalb unseres Geistes sehen, ob in unserem Körper, einer bestimmten Situation oder im Verhalten eines anderen Menschen. Tomas nutzte seine Krankheit als Mittel zum Erwachen. Und er tat dies, indem er ganz konsequent in jedem Moment Frieden wählte, auch wenn äußere Erscheinung ihn dazu verleiten wollten, zu glauben, er sei ein verletzlicher Körper und nicht etwa ein ewiges Wesen.
Einige Stunden vor Tomas’ Ableben ging sein Körper in ein Stadium rapiden Verfalls über. Er war während dieser letzten Phase vollkommen klar, aber ich, Nouk, erlebte einen Zusammenbruch. Ich sah, wie der Körper verfiel, und weinte vor purer Frustration und Verwirrung. Wie konnte er mich verlassen? Warum war dieser Krebs nicht durch ein Wunder geheilt worden? Tomas war nicht in der Lage zu sprechen, weshalb er mir ein Zeichen gab, ihm Stift und Papier zu bringen. Und während ich schluchzend neben ihm saß, kritzelte er folgende Worte für mich: „Noukie, sieh hinter die Erscheinungen … wir übergeben jeden Zweifel, jede Angst und jede Erscheinung an Christus. Wir vertrauen Seinem Plan für unsere Rettung — von Augenblick zu Augenblick. Dann erleben wir, dass wir immer noch hier sind. Aber mehr als das erleben wir die Stille und den Frieden, und wir wissen, dass nur ER es sein kann, der dieses Ziel erreicht…wir müssen auf dem richtigen Weg sein.“
Er hatte sich dazu entschlossen, jede Sorge um seinen Körper ohne Kompromiss dem Heiligen Geist zu übergeben. Ich glaube nicht, dass man das tun und dabei nicht schnell erwachen kann. Schließlich ist der Körper unsere größte Ablenkung und unser größtes Hindernis dafür, uns an unser Einssein in Gott zu erinnern.

Nach Tomas’ Tod kehrten unsere Tochter Rikki und ich nach Hause nach New Mexiko zurück. Dann erlebte ich die dunkelstmögliche Nacht der Seele. Dabei bestand mein Dilemma weniger darin, dass Tomas seinen Körper verlassen hatte. Die heilige Liebe zwischen uns war so groß, dass ich wusste, dass die Abwesenheit seines Körpers keine Bedrohung für das Weitergehen unserer Kommunikation darstellte.
Ich stelle fest, dass ich den Schmerz und die Verwirrung nicht ertragen konnte, die von meinem Versuch kamen, zwei miteinander unvereinbare Überzeungen gleichzeitig zu behalten. Würde ich Angst oder Liebe wählen? Den Tod oder das Leben? Klar war, dass ich nicht an beidem festhalten konnte. Soweit ich damals verstand, lehrt Jesus, dass nach der vollständigen Heilung des Geistes und der Verkörperung des Wissens, dass wir unter keinen als Gottes Gesetzen stehen, die Gesetze des Egos auch hier im Traum aufgehoben werden. Gottes Gesetze werden sich durchsetzen. Einfach gesagt kann laut Kurs jemand, der aus dem Christus in ihm lebt, die Kranken heilen und die Toten auferwecken (Grundsätze der Wunder Nr. 24, EKIW).

Während dieser letzten Monate, in denen ich Tomas pflegte, hatte ich unwissentlich eine ziemliche Egoanhaftung daran entwickelt, insgeheim zu glauben, dass Tomas sich als lebender Zeuge dieser tieferen Lehren Jesu vollständig von seiner Krankheit erholen würde. Ich wusste zu dieser Zeit nicht, dass keiner von uns beiden diese Lehren aus eigener Erfahrung heraus voll erfasst hatte. Darum war es für besonders schwierig für mich, dass er nun aufgrund einer Krankheit starb.
Ich sah, dass Tomas nicht litt, voller Freude war und tiefen Frieden hatte. Aber ich die folgenden beiden Fragen nicht damit in Einklang bringen: „Warum ist Tomas durch Krankheit gegangen? Warum ist er nicht in einem gesunden Körper erwacht?“ Seine Priorität war einfach gewesen. Er hatte vor, jetzt zu erwachen, und nicht später. Das Mittel dazu nahm die Form einer Krankheit an, das perfekte Instrument, mit dem er jeder Versuchung, Angst, Schmerz und Tod als wahr anzusehen, unnachgiebig entgegentreten konnte. Tomas wählte den Krebs, was ihm eine extreme Möglichkeit bot, unter Aufbietung wachsamer Disziplin nur Liebe zu wählen.
Er gab dem Frieden Priorität und entschied sich konsequent dafür. Dadurch flog er mit Warp-Geschwindigkeit die Einbahnstraße in Richtung Erwachen entlang, während die meisten von uns ganze Leben lang zahlreiche Straßen in beiden Richtungen entlangschlendern. Aber wenn er wirklich erwacht war, wie es ja ganz sicher den Anschein hatte, warum war er dann auf diese Weise gestorben?

Meinem Verständnis nach bedeutete, aus dem Christus heraus zu leben, dass der Körper nicht länger benutzt werden würde, um Angriff zu demonstrieren. Er würde nicht länger eine Waffe des Egos sein, sondern der Tempel des Heiligen Geistes mit dem einzigen Zweck, Gottes Liebe und Heilung zu vermehren. Krankheit und Tod wärend für das Christusselbst keine Themen mehr, sondern längst durchschaut und überwunden.
Jesus sagt uns, dass anstatt so zu sterben, wie wir es kennen, es ein Ereignis voller innerer Bereitschaft, Frieden und Freude sein kann, wenn es Zeit ist, den Körper zu verlassen, weil der Körper seine Aufabe erfüllt hat. Sein Tod würde nicht aufgrund von Verwüstung durch Krankheit, Alterung und Schmerz eintreten. Jesus lehrt, dass der Körper zum wichtigsten Mittel zur Überwindung der Welt des Egos wird, wenn er einmal vollkommen dem Heiligen Geist übergeben worden ist. Und noch wichtiger: Er lehrt uns, den zentralen Traum des Egos vom physischen Tod zu überwinden, so wie Jesus selbst es getan hat.

Ich brauchte eine Weile, um zu erkennen, dass Tomas tatsächlich innerhalb des Egotraums, allerdings nicht aus dem Egotraum des Todes erwacht war, wie Jesus es im Kurs lehrt. Zwischen diesen beiden Arten des Erwachens gibt es einen fundamentalen Unterschied, und in Das Ende des Todes sprechen wir ausführlich darüber.
Ich habe erkannt, dass Jesus uns dazu aufruft, nicht nur innerhalb des Traumes zu erwachen, wie Tomas, sondern ganz und gar aus dem Egotraum von Krankheit und Tod aufzuwachen und den Kreislauf von Geburt und Tod vollkommen zu durchbrechen. Dies verlangt von uns, das Heilige Selbst zu verkörpern und daraus zu leben, indem wir vergeben und die Sühne für uns selbst in ganzem Umfang annehmen – das vollständige Auflösen von Angst und Schuld. Das Ergebnis davon ist die komplette Umkehrung des Egotraums. Es ist die Überwindung und Auflösung von allem, das wir ursprünglich machten, um uns selbst anzugreifen und von Gott zu trennen. Diese Wiedervereinigung mit dem Heiligen Selbst ist der herrliche Zustand, den Jesus die wahre Welt oder den glücklichen Traum nennt.

Meine dunkle Nacht der Seele

Als ich nach Tomas Tod nach Hause zurückkam, fiel ich in einen angstvollen Zustand von Verwirrung und Trauer. Unsere Tochter Rikki half mir, mich daran zu erinnern, dass nur die Liebe wahr ist. Wie sollte also gleichzeitig die Trennung wahr sein? Wie konnte Tomas irgendwo sein außer hier und jetzt? Er war ja schließlich nirgendwo hingegangen. Wenn Trauer da war, musste genauso ein Glaube an die Trennung vorhanden sein – dass Tomas tatsächlich gestorben war und wir nicht länger miteinander kommunizieren konnten.

In der Nacht der dunkelsten Erfahrung, die ich jemals hatte, breitete sich die Hölle in meinem Geist aus. Mein gesamtes Vertrauen zum Heiligen Geist schien dahinzuschwinden. Vielleicht war ja eine gottlose Hölle doch das einzige, was es gab. Vielleicht war alles andere nur Einbildung. Dann erkannte ich, dass ich wohl halluzinieren musste. Entweder diese Gottlosigkeit war wirklicht die Wahrheit, oder ich war wahnsinnig und geistesgestört. Mein verzweifeltes Verlangen, genau zu verstehen, was mit Tomas passiert war, hatte mein Vertrauen zum Heiligen Geist überschattet. Als Ergebnis litt ich unter einem unerträglichen Gefühl der Trennung. Ich schrie nach Hilfe und hörte, wie Tomas’ Stimme in meinem Geist folgende Frage stellte: „Willst du verstehen, oder willst du Frieden?“ Ich verstand. Das Bedürfnis, zu verstehen, war eine Masche des Egos. Die Entscheidung, die Situation anzunehmen, ohne sie zu verstehen, würde mir den Frieden zurückbringen und mich für die Kommunikation sowohl mit dem Heilgen Geist als auch Tomas öffnen.

Ich zog eine meiner Karten mit Zitaten aus dem Kurs und las: „… wenn du Frieden willst, so musst du die Idee des Konflikts ganz und für alle Zeiten aufgeben.“ T-7.VI.8:9. Und das war es! Von diesem Moment an ließ ich alles, was nicht von Gott war, einfach wegfallen. Jeder Gedanke, jedes Gefühl und jede Manifestation von Schmerz, die aufkamen, ließ ich gehen. Ich wusste, dass sie alle nur Erscheinungen waren, und ich hatte entschieden, hinter alle Erscheinungen und auf das Gesicht Christi zu schauen.

Der erstaunlichste Teil dieser wundersamen Veränderungen war der Wegfall meiner Trauer. Ich habe herausgefunden, dass Tomas in jedem Moment anwesend ist, in dem ich mich bewusst für Freude und Frieden entscheide und ohne Urteile oder Glauben an alte Geschichten von Verlust und Mangel im gegenwärtigen Augenblick lebe. Es ist unmöglich, getrennt zu sein, solange wir uns weigern, uns auf den persönlichen Geist einzulassen und alte Erinnerungen an eine sentimentale, besondere Liebe hochzuzerren.
Diese Egoprojektionen vergangener Liebe haben nichts mit der wahren Liebe gemeinsam, die wir gemeinsam haben. Wie kann ich Tomas vermissen, wenn ich mit dem Bewusstsein gesegnet bin, dass er immer noch hier ist und sogar mehr zugänglich als je zuvor? Natürlich ist es etwas seltsam, in nicht in einem Körper um mich herum zu haben, aber dies ist nur eine weitere Lektion zum Beweis der illusorischen und vorübergehenden Natur der Form. Gott sei Dank ist ihr Inhalt dagegen wirklich ewig und unveränderlich!

Ich werde nicht zulassen, dass diese Veränderung der Form in mir Zweifel auslöst. Im Gegensatz zu dem, was das Ego lehrt, lerne ich, dass es sicher ist, die „Form“ (in diesem Fall Tomas’ Körper) aufzugeben, um den „Inhalt“, die Liebe zwischen uns, zu bewahren.
Als wir dahingehend geführt wurden, unsere Ehe zu beenden, um unsere Beziehung zu bewahren, stand unser Glauben auf der Probe. Aber während wir diese Wandlung durchliefen, entdeckten wir eine tiefe Liebe, die niemals bedroht werden konnte – nicht durch irgendjemanden oder irgendetwas, nicht einmal durch den Tod.
Ich habe nun den Eindruck, als würde ich aufgefordert, eine Steigerungsform dieser ersten Prüfung in unserer Beziehung anzunehmen. Nun anzunehmen, dass die Kommunikation mit Tomas nicht abgebrochen ist, scheint eine größere Herausforderung zu sein als die erste, bei der wir die Ehe beendeten, um die Beziehung zu retten. Ich erinnere mich dann daran, was Jesus im Kurs sagt: Es gibt keine Hierarchie der Illusionen und keine Rangordnung der Schwierigkeit bei Wundern. Ich kann diese wunderbare Wahrnehmung aufrecht erhalten, solange ich wachsam bleibe und mich beständig entscheide, über alle Erscheinungen hinaus zu sehen, die Wahrheit, Liebe und Unveränderlichkeit widersprechen.

Tomas sagte zu uns: „Ich gehe nirgendwo hin. Und ich verspreche, die Lüge zu enttarnen, die der Tod ist! Haltet Augen und Ohren offen …“
Wir glauben, dass er sein Versprechen halten wird, die Lüge des Todes mit aufzudecken. Jesus sagt.
„Im heiligen Augenblick ist die Bedingung für die Liebe erfüllt, denn Geist verbindet sich mit Geist ohne die Störung durch den Körper, und wo Kommunikation ist, da ist Frieden. Der FRIEDENSFÜRST wurde geboren, um die Bedingung für die Liebe wiederherzustellen, indem er lehrte, dass die Kommunikation ununterbrochen bleibt, selbst wenn der Körper zerstört wird, vorausgesetzt, du siehst den Körper nicht als notwendiges Mittel für die Kommunikation an. Und wenn du diese Lektion verstehst, wird dir Folgendes klar: Den Körper opfern heißt nichts opfern, und die Kommunikation, die immer vom Geist ist, kann nicht geopfert werden.“
T-15.XI.7.1-4

Ich lerne weiter und lasse zu, dass die Hindernisse für das Gewahrsein der Liebe wegfallen. Nun sehe ich genau, was hier im Traum unsere größte Macht ist. Es ist die Macht, in jedem einzelnen Augenblick zu wählen. Das bedeutet, dass wir in jedem Augenblick, in dem unsere Knöpfe gedrückt werden, wählen können, an allen Egoerscheinungen vorbei auf das Gesicht der Wahrheit zu sehen. Wenn Gottes Liebe alles ist, was es in Wahrheit gibt, dann müssen wir lernen, allem, was nicht Liebe ist, die Macht zu verweigern, uns zu verletzen. Das ist wahre Vergebung. Es ist eine Disziplin. Und wir treffen diese konsequente Entscheidung für den Frieden nicht, bevor wir vom Leiden wirklich genug haben. Jesus spricht über diese Entscheidung:

„Ich habe dir bereits gesagt, dass du genauso für wie gegen das Ego wachsam sein kannst. Diese Lektion lehrt dich nicht nur, dass du es sein kannst, sondern dass du es auch sein musst. Sie befasst sich nicht mit der Rangordnung der Schwierigkeit, sondern mit der eindeutigen Priorität der Wachsamkeit. Diese Lektion ist insofern unzweideutig, als sie lehrt, dass es keine Ausnehmen geben darf, wenn sie auch nicht leugnet, dass die Versuchung auftreten wird, Ausnahmen zu machen. Hier wird also trotz des Chaos an deine Beständigkeit appelliert. Chaos und Beständigkeit können jedoch nicht lange nebeneinander bestehen, da sie einander gegenseitig ausschließen. Solange du allerdings etwas gegenüber wachsam sein musst, begreifst du diese gegenseitige Ausschließlichkeit nicht und glaubst noch immer, dich für das eine oder andere entscheiden zu können. Dadurch, dass dich der HEILIGE GEIST lehrt, für was du dich entscheiden sollst, wird ER dich letztlich lehren, dass du überhaupt keine Entscheidung zu treffen brauchst. Das wird deinen Geist endlich von der Wahl befreien und ihn auf die Schöpfung im HIMMELREICH lenken.“
T-6.V.C.4:2-10

Für mich bleibt nun noch eine große Lektion mit Tomas. Wenn ich wachsam an dieser großartigen Demonstration des Glaubens und Vertrauens festhalten kann, wird mich diese eine Lektion zur Wahrheit bringen, zu der einen Liebe, die wir alle sind. Ich hoffe – nein vertraue darauf -, dass ihr euch mir auf dieser Reise anschließen werdet, indem ihr euch daran erinnert, nur Liebe und nur Frieden zu wählen, ungeachtet so genannter Erscheinungen.

– Nouk Sanchez, Oktober 2013

weiterlesen: Kapitel eins

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