Bewirken Komplimente Trennung?

Letzte Woche beim Abschlussretreat unserer Online-Jahresgruppe von 2016/2017:

Wir machten eine Übung, bei der wir nachspürten, wie sich verschiedene Formen von Lob, Wertschätzung und positivem Feedback für uns anfühlen. Ich liege wohl nicht falsch, wenn ich sage, dass das Ergebnis für viele unerwartet war und einiges innerlich und äußerlich in Bewegung gebracht hat ;-), und ich möchte dich einladen, nachträglich mitzumachen.

Doch der Reihe nach:

Wir hatten zunächst in der Gruppe Sätze gesammelt, die wir sagen, wenn wir Lob, Wertschätzung und positives Feedback ausdrücken möchten.

Bildquelle: fotoerich/ pixabay

Am Ende fanden sich auf unserer kollektiven Liste Dinge wie zum Beispiel:
– „Das hast du gut gemacht!“
– „Du bist wunderbar!“
– „Ich finde dich toll!“
– „Du siehst schön aus!“
– „Das ist großartig!“

Dann ging es in Partnerarbeit daran, sich gegenseitig diese Sätze zu sagen und darauf zu achten, was sie mit einem machen.
Wie fühlt es sich genau an, wenn ich diese Worte zu hören bekomme, und wie, wenn ich sie selber sage?
Fühle ich mich der anderen Person näher oder weiter entfernt?
Geht es in mir auf oder zu?
Entspanne ich mich oder spüre ich Stress?

Im zweiten Teil der Übung ging es dann darum, hineinzuspüren, wie es ist, wenn ich mein Feedback nach dem Muster: „Wenn du … machst, fühle ich …“ formuliere.
Also zum Beispiel: „Wenn du mich anlächelst, wird mir warm ums Herz“, „Wenn du mir von deiner Chinareise erzählst, werde ich ganz aufgeregt und bekomme selber wieder Lust zu reisen“ oder „Wenn ich dich singen höre, bin ich so berührt, dass mir die Tränen kommen!“

Zum Schluss tauschten wir uns in der großen Runde darüber aus, was wir erlebt und herausgefunden hatten.

Ich möchte dir an dieser Stelle nicht die Freude an der eigenen Entdeckung nehmen, wenn du die Übung selber für dich oder mit jemandem zusammen machen möchtest, deshalb verrate ich nicht alles, was dabei herausgekommen ist ;-).

Doch eine wichtige Sache stach für mich heraus, und die will ich gerne mitteilen.

Eine Teilnehmerin erzählte, ihr Übungspartner hätte im ersten Teil zu ihr gesagt: „Deine Frisur sieht heute gut aus!“ Ihr Gefühl daraufhin sei eine Unsicherheit gewesen, und sie hätte das Kompliment „nicht nehmen“ können. Ihr waren Gedanken gekommen wie „Was genau meinst du?“ und „Ah, meine Frisur sieht also heute gut aus – und sonst???!!!!“

Sie hatte also etwas Unangenehmes wahrgenommen, als sie den Satz über ihre Frisur hörte.
Und was ich spannend fand war, dass sie dies sich selbst zuschrieb, als sei es ihr „Unvermögen“, ein Kompliment anzunehmen. Dabei hatten alle im Raum während der Übung ähnliches entdeckt.

Tatsächlich lösen Komplimente oft Stress und Verwirrung aus, wenn sie in dieser Form ausgedrückt werden.
Dieser Stress ist nicht nur ein subjektives Gefühl, und man liegt damit auch nicht falsch!

Und diese Dynamik ist in zweierlei Hinsicht tragisch:
Erstens, weil der Absender ja in der Regel eine liebevolle Absicht hat, die für den Empfänger aber nicht fühlbar wird, und zweitens, weil der Empfänger sich innerlich schachmatt gesetzt fühlt.
Wenn er bei sich Unsicherheit oder Anspannung wahrnimmt, schreibt er es sich selber zu und traut sich nicht, es anzusprechen, denn der andere hatte ja eine gute Absicht und man will ihn ja nicht verletzen.
Also hält der Empfänger lieber den Mund und macht die Sache mit sich selber aus, was aber eine innere Distanzierung vom anderen mit sich bringt. Auch wenn sie klein ist.

So führt dann das, was eigentlich dazu gedacht war, mehr Nähe und Verbindung herzustellen, ungewollt zu mehr innerer Distanz.

Das Ganze ändert sich hingegen sofort, wenn der Absender hinzufügt, was er fühlt. So könnte man in Bezug auf jemandes Frisur zum Beispiel sagen: „Ich habe große Freude daran, deine Frisur anzusehen, mir gefällt, wie deine Haare sich im Wind bewegen, da fühle ich mich 10 Jahre jünger!“

Dadurch wird man selber für den Adressaten fühlbar, und anstatt Unsicherheit und Verwirrung spürt er Nähe.

OK, jetzt habe ich doch schon eine ganze Menge verraten.

Der springende Punkt, auf den ich hinauswill, ist aber folgender:
Du kannst dich auf dein Gefühl verlassen.

Wenn du etwas Unklares, Stress und Distanz verursachendes wahrnimmst, dann darfst du dir selber trauen. Es ist alles in Ordnung mit deiner Wahrnehmung.
Und du musst es dabei nicht belassen, sondern du kannst nachfragen. Wenn jemand zum Beispiel zu dir sagt: „Du siehst heute aber toll aus!“, könntest du fragen: „Was genau an mir siehst du gerne an?“, „Und was fühlst du dabei? Geht dein Herz auf? Wird dir warm? Bist du energetisiert?“

Spüre in dich hinein, was du wissen möchtest, und lass den anderen nicht so leicht vom Haken.

Du machst damit nicht nur dir selbst ein Geschenk, sondern auch dem anderen. Auch er wird die Nähe, die durch deine Frage entsteht, genießen.

Denn die Nähe zu dir als Mensch macht glücklich 🙂

Hast du Spaß an dieser Art von Übungen und möchtest gerne mehr in diese Richtung ausprobieren und lernen? Dann bist du herzlich eingeladen zu unserem Wochenendworkshop am 26. und 27. August 2017 in Basel.

An diesen zwei Tagen dreht sich alles um bewusste Kommunikation und Verbindung schaffendes Zuhören.
Wir werden die meiste Zeit praktische Übungen machen, damit du Erfahrungen für die Anwendung im Alltag mit nach Hause nehmen kannst.

Es wird der einzige Workshop dieser Art für dieses Jahr, und wir versprechen dir: Der weiteste Weg lohnt sich!

Lies hier die Workshopbeschreibung und finde heraus, ob diese zwei Tage für dich sind!

Danke fürs Lesen und ein schönes Wochenende!

Kendra

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One thought on “Bewirken Komplimente Trennung?

  1. Hallo liebe Kendra
    das sind sehr interessante Übungen, die Ihr da gemacht habt;
    die Ergenbisse natürlich auch.
    Leider kann ich mich in die Reihe derer einordnen, die Komplimente
    schlecht anehmen können.
    Auch in meinem „Umfeld“ kenne ich kaum jemanden, der das kann.
    Ich arbeite daran.
    Viel Erfolg und Freude weiterhin, beim heil weden.
    Petra

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